2 Allgemeine Betrachtungen.
Das Leben des gesellschaftlichen Körpers ist nicht das Werk der Kunst.
Dugald Stewart hat in den Anfangsgründen sein Philosophie sehr richtig bemerkt, daß man zu lange ge— glaubt habe, die gesellschaftliche Ordnung sey einzig das Werk der Kunst, und die derselben etwa noch Mkleben— den Mängel hätten ihren Grund in einem Versehen des Gesetzgebers, oder in einem Versäumniß der mit der Lei— tung dieser verwickelten Maschine beauftragten obrigkeit— lichen Personen. Daher sind jene idealen Gesellschafts— plane, wie z. B. Plato's Republik, die Utopie von Mo— 16, die Oceana von Harrington ꝛc. entstanden. Jeder glaubte, an die Stelle einer mangelhaften Einrichtung eine bessere setzen zu können, ohne zu bedenken, daß es in den Gesellschaften eine Natur der Dinge giebt, die durchaus nicht von dem Willen des Menschen abhängt, und die wir nicht willkührlich regeln können.
Damit will man aber nicht sagen, daß der mensch— liche Wille keinen Einfluß auf die Einrichtung der Ge— sellschaft habe. Die Meinung ist nur, daß ihre Bestand— theile, ihre Fortdauer nicht die Wirkung ihrer künstlichen Organisation, sondern ihres natürlichen Baues sind. Der Gärtner kann den Baum zurichten, ihm eine beliebige Gestalt geben, allein der Baum lebt und trägt Früchte zufolge der Gesetze des Pflanzenlebens, über die der Gärtner nichts vermag. Eben so sind die Staatsgesell— schaften lebende mit Organen versehene Körper, denen das Thun der Gesetzgeber, der Staatsmänner, der Krie— ger, der Eroberer, oder selbst die Wirkung zufälliger Um— stände schädlich oder heilsam werden, das Leben selbst aber nicht geben kann. Letzteres ist so wenig das Werk einer künstlichen Organisation, daß gerade da, wo diese sich am wenigsten zeigt, und man sich einzig darauf be—
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