Teil eines Werkes 
2 (1802) Von der Kunstsprache und dem System
Entstehung
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vor treibt. Ein solcher Steugel heißt entweder

Ranke oder Sprosse. Die Ranke liegt flach an

der Erde, ist blattlos, enthält aber an der Spitze eine Knospe, welche Wurzel schlägt und neue Pflänz chen hervor bringt. Solche Ranken finden Sie bey den Erdbeeren. Die Sprosse oder der Ausläufer hingegen schießt aus der Wurzel senkrecht in die

Höhe, ist mit Blättern versehn, und kann für sich

als eine junge Pflanze angesehn werden. Wenn ein Gewächs Ranken oder Sprossen treibt, so ist dies ein Zeichen, daß sich dasselbe, außer der Fortpfian⸗ zung durch Saamen, auch durch Seitenverlängerung vermehren läßt. Die Gewächse aber, deren Wurzeln gar nicht Sprossen treiben, lassen sich auch schwer⸗ lich anders als durch Saamen fortpflanzen.

Die verschiedenen Kunst-Ausdrücke, welche vom Stamm und Stengel gebraucht werden, beziehen sich

I. auf seine Richtung. Man nennt ihn ge⸗ streckt, wenn er ganz platt auf der Erde liegt, wie der gemeine Gundermann; niederliegend, wenn

er nur anfangs etwas in die Höhe steht, aber sich

dann ganz auf die Erde legt, wie der Feldthymian oder Quendel; niedergebogen, wenn er anfangs gerade aufsteigt, lich dann biegt und sch endlich ge

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