Teil eines Werkes 
1 (1781) Horatius Benedictus von Saussure, Professors der Weltweisheit zu Genf Reisen durch die Alpen. 1
Entstehung
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298 Dreyzehntes Kapitel.

ton Freyburg gebürtig, und Geschäfte wegen in das Dorf dieses Mädchens gekommen sey, da ihm dann die⸗ selbe so wohl gefallen, daß er sie zur Ehe begehrt habe. Das Mädchen, obschon ihr der Mensch auch gefiel, woll⸗ te ihn doch nicht heirathen, ohne von seiner Person und Familie hinlängliche Nachricht zu haben. Um also in

einer Sache, die für ihr künftiges Glück so wichtig war,

selbst zu sehen und zu urtheilen, gieng sie allein und zu Fuß mit dem jungen Menschen durch die Gebirge, um zwo Tagereisen von hier in der Heimath des Jünglings die nöthigen Erkundigungen einzuziehen. Als ich sie antraf, kam sie eben sehr zufrieden von ihrer Reise zu rück, und hatte ihren Bräutigam bey sich, um ihn so gleich nach ihrer Ankunft zu heirathen. Ich finde hier⸗ bey nicht sowohl die Herzhaftigkeit des Mädchens, als welches groß und stark war, und sich also vor seinem Kiebhaber nicht zu fürchten hatte, als vielmehr die Ehr⸗ lichkeit und Redlichkeit dieser guten Bergbewohner, merkwürdig. Denn wäre das Mädchen mißvergnügt über die eingezogenen Nachrichten, ohne den jungen Menschen zu heirathen, zurückgekommen, so hätte doch diese in der Gesellschaft desselben unternommene Reise ihrem guten Namen nicht den geringsten Nachtheil ge bracht.

Ende des ersten Theils.