Von der Feinheit.
Der Grad der Feinheit des Haares bestehet in der Länge seines Durchmessers, welche unmöglich genau bestimmt werden kann. Die Röhre desselben ist zwar rund; aber kein vollkommner Cylinder, des⸗ sen Durchmesser in seiner ganzen Länge gleich wäre. Diese vollkommene Gleichheit findet man fast nie⸗ mals; gewöhnlich ist das Haar nach der Haut zu feiner, als an dem oberen Ende, ausgenommen an der Wolle, welche das Lamm aus Mutterleibe mit bringt, deren Haar spitzig zuläuft. Die Neigung des Haares, nach dem äußeren Ende zu sich zu verdicken, läßt sich auf folgende Weise erklären.
Das Haar empfängt von der flüssigen Sub⸗ stanz, die in der Zwiebel, aus der es hervor ging, enthalten ist, reichlichen Nahrungssaft; einen Theil davon nimmt es zu seiner Entwickelung unter seine Bestandtheile auf; den Ueberfluß dünstet es aus. In der ersten Wolle des Lammes, von welcher noch nichts ist abgeschnitten worden, und die in einer Spitze sich endiget, findet diese Ausdünstung nur durch die Poren der Röhre Statt. Hat aber die Scheere dieselbe einmal geöffnet: so gibt diese Oeff— nung dem Ueberfluß einen leichteren Ausgang, und die Substanz dringet immer reichlicher nach dem aufgeschnittenen Ende. Die Poren der Röhre, die nun des Geschäfts der Ausdünstung mehr oder we— niger entlediget sind, saugen nun aus der Luft näh⸗ rende und stärkende Säfte in sich, und das desto reich— licher, je mehr sie mit derselben in Berührung sind, was natürlich mehr gegen daß Ende des Haares, als in der Nähe der Haut gesnehen kann.
In manchem Betracht düürfte wohl eine voll⸗ kommene Gleichheit der Dicke des Haares zu wün⸗ schen seyn: allein die Weisheit Gottes, welche durch die Erschaffung des Wollenträgers für die Bedeckung


