Druckschrift 
Die Strich-, Zug- oder Wander-Heuschrecke : vom Eie an beobachtet und beschrieben / von Franz Körte
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

3 Tagen, während welchen es nichts zu fressen bekom men hatte und gefesselt war, losgemacht, und sprang so gleich mehrere Zolle hoch. Das Einzige, was man wahr nahm, war eine größere Mattigkeit des Thierchens, aber in die Luft gesetzt und der Freiheit gegeben, erholte es sich bald wieder vollkommen.

Am 19ten Juni, Morgens gegen 11 Uhr, bei einer Temperatur von 20 Grad R. in der Sonne, nahm man die zweite Häutung der Heuschrecke wahr. Auch hier haben sich mehrere Thiere unter meinen Augen ge häutet. Die Haut war theils nach vorn, theils von vorn nach hinten zu abgestreift, und hatte, als ein sehr feines Membran, Schenkel, Schienbein, Tarsen, mit wenigen Worten alle Theile des Körpers. Die Zwi schenzeit also von der ersten bis zur zweiten Häutung war vom 30sten Mai bis gten Juni oder 20 Tage; denn man kann wohl voraussetzen, daß die zuerst aus dem Eie gekommenen sich auch zuerst gehäutet haben, und man hat bei aller Aufmerksamkeit erst am 19ten Juni die ersten beiden Häute gefunden. In den ersten Augenblicken nach der zweiten Häutung ist das Thier, wie nach der ersten, ohne alle Zeichnung fleischroth ge⸗ färbt, und es bekommt die Mannigfaltigkeit seiner Far⸗ ben und Zeichnung erst nach einiger Zeit. Uebrigens ist das Thier kurz vor, während und kurz nach der Häu tung sehr kränklich, träge, athmet schwer, bewegt den Hintertheil von einer Seite zur andern, und scheint sich wenig um das, was um dasselbe vorgeht, zu bekümmern. Die abgeworfenen Häute werden von den Heuschrecken zuweilen aufgefressen. Die Farbe des Thieres hat sich nach dieser Häutung vollkommen geändert.