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Der Kemperhof : Mit Hinsicht auf den Betrieb der Landwirthschaft in der Gegend von Coblenz / Von Joseph Anton Hergen
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FSME 3.> SEE NE

ner lange allein ſpricht, derowegen ihre Perioden nur kurz ſeyn dürfen.

In frühern Zeiten warf man ihnen Bigotterie vor, weil man die eingeführte Art des Cultns, nicht von dem Sinne des Volkes zu trennen wußte.

In neuern Zeiten gab man ihnen Unglauben Schuld, Beides mdogte wohl gleichweit vom Ziele entfernt ſeyn; da es aber den Rheinländer weder an geſundem Ver- ſtande, noch richtigem Gefühle fehlt, ſo wird wohl auch niemand zweifeln, das er Religion hat.

Obſchon kein Bonifacius mehr ndthig iſt, ſo kenne ich dennoch kein Volk, das ſich mit mehr Reſignation der Regierung eines höheren Weſens unterwirft, wie der Rheinländer; der deutlichſte Beweiß ſeiner vollendeſten Aufklärung.

Für den Augenbli& wiſſen die guten Leute freilich nicht rec<t, wie ſie es mit den Formen halten ſollen, indem vorhin die Mönche jeßt ihre Untipoden, die Phi- loſophen, die die Noth hat beten lernen, das Lehramt, der Religion übernommen haben. Jhr Strahl, der ſonſt von Süden kam, glanzt nun von Norden.

Auf den A>erbau hatten früherhin beſtandne Ein- richtungen manchen Cinfluß, die jeßt noc< beſichende re- ligivſe Formen wirken nur wenig mehr ein,

Obſchon wenig ſtreitſüchtig und zum Kriege ges neigt, iſt doc) kein Volk mehr däzu geſchiXf und geeig net viele Strapaßen zu erfragen, wie die Rhein= und Moſelbewohner und ic) bin gewiß, das wenn ſie wie andre in den Fall kommen ſollte, Muth haben zu müſ- ſen, ſie ſich alsdann den ſic) damit am meiſien brü-

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