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4. Abſchn, Kenntniß"der Forſtzewächſe.
(429) 9, Die Birke, Betula alba.
Sie erſcheint in größter Vollkommenheit mehr im Norden von Deutſchland und Preußen, als im Süden, und dieß nur, wenn ſie auf einem friſchen lehmigten Kiesboden, den man gewöhnlich auf geringen aufgeſchwemmten Höhen findet, ſteht. Nur im Nor- den findet ſie ſich als herrſchende Holzgattung in großen reinen Beſtänden, im Süden von Deutſchland nur als untergeſprengte. Außer auf ganz ſtrengem Thonboden, findet ſie ſich fonſt beynahe auf jedem Boden und iſt der gewöhnliche Luückenbüßer für ſchlecht behandelte und licht gehauene Forſten. Dieß liegt darin; daß ihr Same ſich weit verbreitet, leicht aufgeht, wenn er nur Licht und Luft hat und der Boden nicht zu dürr ift, die jungen Pflanzen
-auch durch Vieh und Wild weniger leiden, als die mehrſten an-
dern Laubholzgattungen. Da ſie ſo leicht fortzubringen iſt und in der Jugend einen raſchen Wuchs hat, ihr Holz auch ein gutes Brennholz, und ein zu mancherley Gebrauche taugliches Nutholz giebt, ſo glaubte man lange Zeit, ſie als eine ſehr empfehlens- werthe Holzart anſehen und ſie als Schutzmittel gegen den ge? fürchteten Holzmangel anbauen zu müſſen. Sie leiſtet in forſt- licher Hinſicht jedoch nicht dasjenige, was man ſich von ihr ver- ſprach, und hat mehrere unvortheilhafte und nachtheilige Eigen-= ſchaften, welche ihren Anbau nur unter gewiſſen Umſtänden em- pfehlenöwerth machen. Ihr Wuchs iſt nur in der erſten Jugend raſch, ſhow mit 30 und 40 Jahren läßt ſie darin nach, wird von andern höhern, wie z. B. der Buche, wenn dieſe auf paſſendem Standorte ſteht, mit 50 und 69 Jahren eingeholt und ſpäter über- trofjſen. Wenn dieß auch bey dem einzelnen Stamme noh nicht einmal ſehr der Fall wäre, ſo iſt es dieß deſto mehr bey einem ganzen Forſtorte, indem die Birke darin ſich nicht/ geſchloſſen er- halt, ſondern ſehr einzeln ſtellt, ſo daß er bey dem Abtriebe we- nig Hovolzmaſſe giebt. Sie bleibt wohl um 2 als Hochwald hin- ter der Buche und Eiche zurück, kommt als Niederwald dieſen Hölzern gleich, übertrifft ſie etwas als Buſchholz. Dabey ver- ſchlechtert dieſes Holz aber eher den Boden, als daß es ihn, wie andere Hölzer im geſchloſſenen Beſtande thun, verbeſſern ſollte, weil ſie bey ihrer lockern Belaubung und einzelnen Stande nicht
genug gegen die Sonne und den Luftzug ſchüßt, wodurch der,
Humus ſchnell zerſetzt wird, bey ihren wenigen, nicht viel Er- ſaß gebenden Blättern, die leicht durch. die Luft weggeführt wer- den, denfelben auch nicht zu erſezen vermag. Dieß ſind die Gründe, warum man den Anbau der Birke nur empfehlen kann, wo ſie einen ausgezeichnet raſchen guten Wuchs zeigt, und ſich leicht von ſelbjt anſiedelt, wo man nicht leicht und nicht ohne viele Koſten andere beſſere Hölzer heraufzubringen vermag, oder wo ſie als Nutzholz ſehr Bedürfntß iſt ,. und darum beſonders gut bezahlt wird. Auf düirrem Sande, wo ſie nur durch ſtete erneuete Pflanzung erhalten werden kann, indem weder Stock- ausſchlag erfolgt vder ausdauert, noch Samen aufgeht, iſt ihr Anbau in reinen Birkenbeſtänden gar nicht anzurathen 3; die Kie- fer giebt daſelbſt immer mehr Ertrag. Schon aus dem Geſag- ten wird hervorgehen, daß ein langer Umtrieb für Birkenforſte nicht vortheithaft iſt. Baumholz wird man am beſten mit 40 bis 50 Jahren hauen, zumal da es ſchon früher anfängt, Samen zu tragen. Niederwälder werden im 45 bis 20jährigen


