Druckschrift 
Grundriss der Färbekunst oder allgemeine theoretische und praktische Anleitung zur rationellen Ausübung der Wollen-, Seiden-, Baumwollen- und Leinenfärberey so wie der damit in Verbindung stehenden Kunst, Zeuge zu drucken und zu bleichen : nach physikalisch-chemischen Grundsätzen und als Leitfaden zu dem Unterrichte der inländischen Färber, Zeugdrucker und Bleicher ... / entworfen von Sigismund Friedrich Hermbstädt
Entstehung
Seite
XIII
Einzelbild herunterladen

XIIL

durch unregelmäßig angewendete Hülfsinitkel das Uebel gemeiniglich ſchlimmer, als ſolches vorher war.

Wird dieſes auf die Operationen und Erfolge der Färbekunſt, ſo wie der damit in ſo enger Vero bindung ſtehenden Kattün-, und Zeugdruckerey über» haupt angewendet, ſo ergiebt ſi hieraus, daß um dieſe Kunſtgewerbe zu yervollkommen, es unumgänglich nothwendig iſt, ſowohl die Materien, die in der Ausübung jener Kunſtgewerbe bearbeitet werden, ih- ver Natur nach genau kennen zu lernen, als auch das Verhalten derſelben, welches ſie gegeneinander, und gegen andre Materien beobachten, genau zu er- forſchen, folglih das Ganze der Kunſt auf be- ſtimmte und einfache Grundgeſeße zurückzuführen, aus welchen alle Erfolge mit Zuverläſſigkeit beur- theilt und erflärt werden können.

Soll dieſes aber erreicht werden, dann muß das Ganze der Färbekunſt als ein einzelner Zweig der Chemie und Naturlehre betrachtet und behandelt werden; denn dieſe Wiſſenſchaften allein ſind es, welche dem Ganzen der Färbefunſt zur Stüße dies nen, aus deren Elemenkargeſeßen ſich alle Erfolge der Färbekunſt entwickeln laſſen, welche dem prakti- ſchen Künſtler auf ſeiner oft mühſamen und dunkelt Bahn, zum genauen Wegweiſer dienen müſſen.

Wie oft bezahlt der Manufakturiſt, ſo wie der Inhaber großer Färberey- und Druckerey- Anſtalten, einzelne Farbenvorſchriften mit großen Geldſummen, und glaubt ein Geheimniß erkauft zu haben, das der Chemiker beym erſten Anblick ohne ſonderliche Mühe zu enthüllen vermag! Wie oft wird derſelbe durch Betrüger hintergangen, welche ihm Geheime niſſe verfaufen, die ſolches nicht ſind! Wäre der- ſelbe aber nicht blos empiriſcher Künſtler, wäre er zugleich gründlicher Chemifer, wahrlich! er würde