Teil eines Werkes 
1 (1827) Die Gebirgskunde
Entstehung
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§. 3. Die Mineralien naturgeſchichtlich kennen zu ler⸗ nen, kann in dreierlei Beziehung einen Werth fuͤr den Men⸗ ſchen haben:

a) Sie ſind Theile der Sinnenwelt, des Schauplatzes un⸗ ſeres Lebens, Wirkens und unſerer geiſtigen Vervollkomm⸗ nung; ſie kennen zu lernen iſt alſo an ſich ſchon Erwei terung unſeres Geſichtskreiſes auf dieſem Schauplatze und ein Gegenſtand, an dem das ſinnliche Anſchauungsvermoͤ⸗ gen, Gedaͤchtniß, Witz und Scharfſinn, mehr wie an andern Naturkoͤrpern geuͤbt werden koͤnnen.

b) Mineralien ferner ſetzen Grund und Boden zuſammen, auf dem wir ſtehen, auf deſſen Oberflaͤche Berge mit Thaͤ lern und Ebenen wechſeln; in deſſen Zuſammenſetzung nicht Zufall, ſondern Geſetz und Ordnung obwaltet; durch deſſen innern Bau vielfaͤltige Erſcheinungen an deſſen Oberflaͤche bedingt werden dieſen innern Bau der Erd rinde kennen zu lernen: aus welchen Maſſen, in welcher Art, und durch welche muthmaßlichen, bildenden Kraͤfte ſie zuſammengeſetzt ſey? iſt nicht nur eine reiche Nah rung fuͤr Verſtand, Einbildungs⸗ und Urtheilskraft, ſon dern auch eine reiche Quelle des Naturgenuſſes.

c) Mineralien endlich hat der menſchliche Erfindungsgeiſt zur Befriedigung mancherlei Beduͤrfniſſe des geſelligen Lebens, folglich als Mittel der Geſittung in demſelben benutzen gelernr: ſie ſind Gegenſtaͤnde des Bergbau's, Materialien der Bau⸗, Bildhauer⸗ und Steinſchneidekunſt, vieler Fabrikationen die Unbekanntſchaft mit den gemeinſten und nuͤtzlichſten unter ihnen muß eben ſowohl als eine Mangelhaftigkeit in der allgemeinen Bildung getadelt werden, wie die Unbekanntſchaft mit den nuͤtzlichſten Ge waͤchsarten, welche Gegenſtaͤnde des Acker- und Garten bau's ſind. Zu dem Pflanzenerzieher, dem Forſt- und Landwirth, ſteht

die Mineralienkunde in noch naͤherer Beziehung, ſie iſt ein Theil ſeiner Berufswiſſenſchaft. Denn nicht nur, daß die Felsarten, durch ihre Verwitterung, die Grundmaſſe des Bo⸗ dens liefern; daß der innere Bau der Erdrinde auf Feuchtig

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