Teil eines Werkes 
1 (1795) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 1
Entstehung
Seite
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538 Beinw.

die Geſchwulſt iſt hart, allein ohne Fieber, Entzündung und Hiße, Außer guter, ge- ſunder Weide auf trocknen, ebenen und er- habenen Gegenden, außer der Bewegung und Luft, weiß Hr, Wolſtein kein Heil- mittel anzugeben.Kein Füllen, das an dieſer Krankheit gelitten hat, muß zur Zucht gebraucht werden, da ſich, nach ſicher gemachten Erfahrungen, das Uebel durch Hengſte und Stuten fortpflanzer, Eben dieſe Krankheit wird auch bey Schaafen, Schweinen und Hunden be- merfet, welche von franken, ſchwachen, ungeſunden, auch zu alten Aeltern und von ſchlechter Pflege herrührt. Nebſt guter Wartung und geſunver Fütterung iſt die Färberröthe, entweder als Pulver oder grüne Fütterung gebraucht, von vorzuüglie <er Wirkung« Nach kurzer Zeit, wenn nämlich) die Krankheit nicht einen zu hohen Grad erreichet hat, ſieht man die Knochen der Thiere roth gefärbet, und nach der Cur weit feſter, Die Schaafe freſſen das Kraut recht gern, daß es ihnen alſo allein, oder mit Heu und Stroh vermiſcht, gereicht werden kann. Bey Hunden und Schwei- nen gebraucht man das Pulver unter ibr gewöhnliches Futter, entweder damit ge- focht, oder blos darunter gemiſcht, fängt mit einem halben kothe täglich an, und ſteigt endlich nicht hößer, als bis zwey Loth täglich. Hiebey werden die Thiere ſchr oft in friſchem Waſſer, oder zur Winterszeit in lauem Waſſer, worinn man etwas Fär- berröthe abgekocht hat, gebadet, Eollte aber wohl dieſe Färverröche nicht auch bey Füllen zu verſuchen ſeyn? Beoißkorb,| Maulkorb, Beige, Baiſſe, Baize, Beiſſe, Fr, volerie. Darunter wird von den Jägern die Art des Jagens verſtanden, da

Beite

man durch allerley dazu abgerichtete Raub» und Stoßvögel, als: Sperber, Habichte, Falken, Blaufüße, Sprinzen, u, dal. nicht nur andre Raubvösgel, oder wilde große und kleine Vögel und Flügelwerk, als Raiger, Enten, Rebhühner, Wachteln, Lerchen 2c. ſondern auch Haſen und andere geringe wilde Thiere, todt oder lebendig, doch ohne

Schuß, fängt, indem man ſie mit dem'

Raubvogel ſo lange verfolger, bis ſie, ganz ermiuder, entweder von ſelbſt herunter fal-

" len, oder von dem Stoßvogel übel zuge»

richtet gebracht werden. Zu dieſer Art der Jagd müſſen ſchnelle und gute Pferde in Bereitſchaft ſtehen 3 denn man reitet das bey ſtreng, den Falken oder einen andern Stoßvogel verkappt auf der Hand häbend, hinaus aufs Feld, und hat kleine Spür- hunde bey fich, Wenn felche etwas auf- freiven, macht man dem Bogel das Geſicht ſrey, und wirft ihn auf den Raub zu, auf welchen er in einem Bogenſchuß zuſtößk, Hat er ſolchen erhaſchet, ſo jeßt er ſich nies der, und läßt ſich von dem Falfenier oder WBeidmann den Raub mit guter Manier nehmen, der ihm dann alsbald von ſeinem bey ſich habenden Geäſe, als: Tauben, oder ſonſt etwas von Geflügel, dafür etwas mittheilen muß,-

Geſchieht dieſes Beizen mit den Rai2 gern und Falken, ſo wird es die Raiger- beize genannt, zu welcher mic großen Ko» ſten viele Falken und Falkenierer gehalten

werden; weil ſie aber ſehr koſtbar iſt, ſo it

ſie nur für königliche und fürſtliche Perſo-

nen ein Divertiſſement, Die Begeben--

heiten dieſer Beize beſtehen im Fo!genden: Sobald ein Raiger aufgetrieben iſt, und des Falkens gewahr wird, ſteigt er in die Höhe, und der Falke thut desgleichen, nimmt aber ſogleich, als ob er den Raiger

nicht ſähe, einen andern Weg, bis er ihn

4 übers

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