Teil eines Werkes 
1 (1795) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 1
Entstehung
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2 Aal

Recepten zu Arzneyen für Menſchen und Thiere, oft gebraucht, und bedeutet von jedem gleich viel, oder, daß die vorherge- henden Species, die man zu dieſem oder jenem brauchen will, bey welchem aber das Gewicht nicht benennt iſt, mit denen darauf folgenden mehrern oder wenigern, bis ſol» <hjes Zeichen, nebſt dem heygeſeßten Ge- wichte, Maaß oder Anzahl genommen werden«:

Aal, ein bekannter ſchlangenförmiger Fiſch, welcher ſich am liebſten auf dem Grunde der ſüßen, klaren, reinen Fluß- waſſer, und beweglichen Deichen und Seen aufhält, und daher bey großen und leimich- ten Gewäſſern gern in die Höhe geht, Er nähret ſich vom Roggen, kleinen Fiſchen, weichen, fic) mauſernden, Krebſen, Frö- ſchen, Schnecken, Regen- und Waſſer- würmern. Ergeht zur Nachtzeit gern auf das vem Waſſer nah gelegenes Gras, Wai- zen und grüne, blühende-Erbſen, in wel- den man thn laut ſchmaßen hört, vielleicht bey Ergreifung der darauf befindlichen Jn- ſekten, Wird ex nun von dem Eigenthü- mer der Erbſen belauert, ſo zieht er mit dem Pfluge, wenn es die Gelegenheit lei- det, ungeſaumt 2 bis 4 Furchen, über wel- <e, als rauhe, trockne Erde, der Aal ſich nicht fortſchlängeln kann. Auf ſolche Wei- ſe glückt es dem Aersmanne vielmals, den allerreichſten Fiſeyfang in ſeinen Erbſen zu thun. Die gewöhnliche Länge der Aale iſt etwa anderthalb bis zwo Ellen, und die Dicfe eines mäßigen Armes, welche auch die ſchmackhaftelten ſind; es werden aber auch wohl längere und diere hie und da

- gefangen, Dieſer Fiſch iſt ſehr ſtark, vor-

nehmlich im Schwanze, lebhaft, und zit- fort zerſtückt noch einige Zeit. Beym Schlachten und ſtarken Angreifen bläſet er

Aal

die bedeckten Kiemen ſehr ſtark auf, und grunzet ſehr vernehmlich dazu, Die Des >el der vier Kiemen, nebſt den ſelbige un- terſtüßenden zehn krummen Gräten oder Strahlen, ſind mie der dicken undurchſich- tigen Hauk bedeckt, durch welche ſich auf jeder Seite vor den Bruſt- oder Seiten- floſſen ein drey bis vier Linien breiter Queer- gang öffner, um das eingeſaugte, und von der Zuft entledigte, Waſſer wieder auszu- athmen; daher der Fiſch in trüben und ſchiammigen Waſſer, auch in großer Kälte und unterm Eiſe, leicht erſticket. und durch Züſammendrücung dieſer Oeffnungen ſo feſt gehalten werden kann, daß er ſeine Be- wegung und gewaltſamen Widerſtand ver- liert. Den Donner, oder die bey Gewit- tern zuſammengepreßte Luft kann er gleich falls nicht vertragen, und ſteht bey ſelbiger leicht ab. Sonſt kann er in der ſreyen 2uft und genugſamen reinem Waſſer wohl zu ſechs bis acht Tagen, oder wohl: noch länger, leben 3 wenn man in ein Gefäß etwas Erde thut, Waſſer darauf gießet, über dieſes breitblätteriges Gras, oder Schilf, leger, und den lebendigen Aal pineinſeßt, ſo laſſen ſich ihrer mehr bey- ſammen weit und breit verſchiken. In Behältern vder Fiſchkaſten ſtehen ſie auch wohl eine Zeit lang, nehmen aber aus Man- gei der Nahrung ſehr ab. Daß ſie ihre Jungen lebendig von ſich laſſen, daran wird nicht mehr gezweifelt. Die Farbe des Fiſches im geſunden Zuſtande iſt auf dem Rücken und den Seiten ſchwärzlich, oder fällt auch etwas ins Graue, bisweilen auch) bey denen, die ſehr fert jind, ins Grünliche; der Bauch aber iſt weißgeib. Vom April bis Jul, iſt er am beſten, Mäſ- ſig genoſſen, iſt er ſo geſund als wohl: ſchmeckend, und unter unſre beſten Speiſe fiſche zu rechnen, und ward bereits bey den

Alteiz