534.. Zehntes Hauptſtü>k, u
6.- 154. -. Von Führung der Zeugen in+em pyo/entem, was unter dieſen Ausdruck verſtanden werde, u und warum ſolches nöthig ſep, us;
Es mögen nun die Zeugen von den Parten vorgeſchlagen, oder von den. Commiſ- ſarien. ex oflicio ernannt und gewählet ſeyn, ſo müſſen ſie, ehe zu deren wirklichen Abhö- rung geſchritten werden kann, zuförderſt an den ſtreitigen Gränzort geführet, und ihnen daſelbſt die von einem jeden Theile angegebene Gränzen deutlich gewieſen werden, damit ſie den Gegenſtand, worüber ſie ihre Ausſage zu thun haben, recht genau einnehmen und kennen lernen.
Dieſes iſt diejenige Handlung, welche unter dem gewöhnlichen Ausdruck, die Teſtes in rem przfentem zu führen, verſtanden wird.
Die Sache ift an und vor ſich ſelbſt nöchig, und die Commiſſarien würden, weng ſie ſolches unterlaſſen wollten, nur ein ſehr verwirrtes Zeugenverhör bekommen.
Die Gränzen und Gränzmahle gehören zu dea ſinnlichen Dingen. Von allen ſinnlichen Dingen aber muß man denen, von welchen man darunter erwas beſtimmtes er- fahren will, ſinuliche Begriffe zu verſchaffen ſuchen, und hiezu iſt der eigene Augenſchein das beſte und ſicherſte Mittel.
Sollte unter der wirklichen Abhsrung, wie nicht ſelten zu geſchehen pfleget, bes merfet werden, daß die Zeugen von.den angegebenen verſchiedenen Gränzen keinen richtigen Begriff eingenommen hätten, ſo ſind ſie no<mahl in rem przlentem zurück zu führen, und es iſt ſolches ſo lange zu wiederhohlen, als nan noch in der Zeugenausſage einige Un- deutlichfeiten wahrnimmt.
Bey ſolchen Gränzſtreitigkeiten, wo viele verſchiedene und doch in ſich ſelber ähn»
li<e Oerrer zu bemerken vorkommen; iſt der ſicherſte Weg, daß, wenn es ſonſt die Wit? terung und Jahregzeit erlauben will, die Zeugen"auf dem ſtreitigen Gränzort ſelber ab- gehöret werden. ] Alsdeun. wird es den Commiſſarien ſehr leicht fallen, die Zeugen, die ſich in dieſe verſchiedene Oerter nicht recht finden können, ſondern öfters. den einen mit den ändern vero mengen wollen, ſofort därch den Augenſchein zurechte zu weiſen, und ihnen den Gegen? ſtand, worüber ſie ihre Ausſage zu thun haben, gleichſam mit dem Finger zu zeigen,
6. 155. Von der Abhörung der Zeugen ſelber, und warum es den Commiſſarien die Entwerfung der FSragſtücke, worüber ſie abzuhören, ſelber zu überlaſſen, rathſam ſey.
Was bey der Vereidigung und AbhörunF der Zeugen ſelber zu beobachten ſey, darf allhier nicht erſt weitläuftig wiederholet werden, weil dabey auf eben'die Art, als bey allen andern Zeugenverhören gewöhnlich iſt, verfahren werden muß.|
Ob man die Zeugen in re prxſeati, d,. i. an dem ſtreitigen Gränzort bey den von ihnen eingenommenen Augenſchein deſſelben ſofort vereiden, oder dieſe Handlung erſt nache ber, wenn zu ihrex wirklichen Abhörung geſchritten wird, vornehmen will, ſolches iſt au ſich gleichgültig,
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