:5 26|"Zehntes Hauptſiü>.
Belonders auf zwey Stücke ſoll hiebey unſer Augenmerk gerichtet ſeyn, .„ Einmayl polen wir die Tüchtigkeit und Zuläßigfeit der in Sränzſachen exforder- lichen Zeugen in. Betracht uehmen.:
Demnächſt aber ſoll unſere Beſchäftigung darin beſtehen, daß wir das eigentliche Verfahren, ſo bey einem ſolchen Zeugenverhör wahrzunehmen iſt, auf eine beſtimmte Are bemerken werden.;
G. 142, Warum in Gränzſachen auch, Ze/?es miaus idonei zum Zeugniß zuzulaſſen.
Ein ſchon vorhin bekannter, in den gemeinen bürgerlichen Geſeßen ſelber gegrüu? defer und von allen Rechtslehrern einſtimmig angenommener Rechtsſag iſt es, daß in ſol- chen Sachen, wo man ſonſt die Wahrbeit auf keine andre Art erfahren kann, auch Zeugen, welche außerdem nicht vor ganz unverwerflich zu baiten ſeyn würden, zugelaſſen werden Lönnen und müſſen.>
Alle Geſchäfte und Begebenheiten, welche ihrer Natur nach nur gewiſſen Per- ſonen befannt ſeyn können, ſind von der Art, daß ſie zu den Dingen, in welchen die Wahr- heit gemeiniglich nicht anders, als durch ſonſt in andern Sachen verſchiedenen Einwendun- gen unterworfene Zeugen erforſchet werden kann, zu rechnen.
Die Gränzziehungen gehören ſonder Zweifel zu dieſer Gattung von Geſchäften.
Nur bloß diejenigen, die dabey intereſſiret ſind, oder ſonſt in der gränzziehendent Nachbaren Dienſte ſtehen, pflegen dazu gezogen zu werden.
Nur ſelten iſt ein und anderer fremder dabey gegenwärtig geweſen, indem derglei- Hen unter Nachbaren vorgenommene Handlungen niemanden etwas angehen, und wer bekümmert ſich wohl ſo leicht um die Gränzen zweyer Nachbaren, wenn er davon weder Schaden noch Vortheil zu erwarten hakt.
Mit Recht ſind daher alle Gränzſtreitigkeiten zu den caulis, qux ditkficilis pro- bationis ſunt, zu zählen, und folglich auch der obige Rechtsſaß, quod Teſtes etiam mi- nus idonei probent, quando veritas aliter haberi non potelt, auf dieſelbe anzuwenden,
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Daß inzwiſchen die Ausſage ganz unverwerflicher Jengen auch in dieſem Stücke den Vorzug behalte,
So lange noch fremde bey der Sache auf keinerley Weiſe intereſſirte Perfonen als Zeugen in ſolchen Gränzſtreitigkeiten zu haben ſind, müſſen dieſe, weil ſie unverwerfs» lich ſind, vor andern, die dergleichen Unverwerflichfeiten nicht vor ſich haben, billig den Vorzug behalten.- iE
Und da es öfters geſchiehet, daß von dem einen Theil dergleichen unverwerfliche Zeugen, von dem andern aber Teſles minus idonei, um dieſen juriſtiſch:n Ausdruck meh- rerer Deutlichkeit halber beyzubehalten, vorgeſchlagen werden, ſo müſſen zwar beyder- ſeitige Zeugen abgehöret werden, gewiß aber iſt es, daß jener Ausſage gegen die vor dieſer
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