Bey ven Gränzbäumen aber, beſonders denjenigen, durch welche die Gränzen in den Waldungen bezeichnet worden ſind, fällt dieſes gänzlich hinweg. c
Selbſt die deutlihſte und richtigſte Gränzreceſſe fönnen hierunter weiter zu keiner Richtſchnur dienen, worn die ſämtliche Gränzhäume abgeſlorben, oder verloren gegangen. Das eigentliche: Merkmal aller ſol<er Gränzbäume beſtehet. in dem eingehauenen
Schalm und dem darin bemerkten Gränzzeichen.
J| nun-ein Gränzbaum entweder umgefallen, oder von diebiſchen Händen geſtoh:
len und abgehauen worden, ſo iſt dadurch dieſer Gränzſchalm zugleich mit verloren gegangen.
. Weder ia ven zurück gebliebenen Wurzeln noch auch in der davon vorhandenen Holzerde können Spuhren, daß daſelbſt ein Gränzbaum geſtanden, geſuchet noch aufge» furiden werden, weil dieſe Ueberbleibſel den Ueberbleibſeln von andern gemeinen Bäumen ähnlich ſind, folglich kein Unterſcheidungszeichen, woraus das ehemalige Daſeyn eines wirklichen Gränzbaumes rechtli) gemuthmaßet werden könnte, vorhanden iſt.
Haben nun.die Nachbaren die oben angerathene Vorſicht, bey.den unternom: menen Gränzrenovationen die angeſchalmte Gränzbäume noch beſonders imit Gränz»- bügeln zu verſchen, unterlaſſen, ſo iſt ein weitläufriges Zeugenverhör der einzige Weg, in einem ſolchen Gränzſtreit die Wahrheit zu erforſchen.
Wie bey einem ſolchen Zeugenverhör zu verfahren, und wie ſchwer durch daſſelbe die reine Wahrheit an den Tag zu bringen ſey, wird ſich unten, wo wir von dieſer Materie beſonders handeln werden, mit mehrern ergeben.
VET Von den Sränzſtröhmen und Flüſſen, und warum, wenn dieſelben ihren(Sang geändert, die alte FlutHbette davon ihre Rennbarkeit eber, als man vermuthen ſollte, verlieren.
Wie leicht bey den zu einer Gränze angenommenen Ströhmen, Flüſſen und Bächen Veränderungen, welche zu den verwickelſten Gränzirrungen Gelegenheit geben, vorfallen können, iſt bereits 5. 87. umſtändlich bemerket.;
Jch habe zwar 5. 88. Vorſchlägs gechan, wie bey den von Zeit zu Zeit vorzu- nehmenden Gränzrenovationen dieſem allen ganz bequem vorgebeuget, und auch bey den größeſten Beränderungen ein daraus zu befürchtender künftizer Zwiſt und Uneinigkeit veihlitet werden könne.|
Allein dergleichen. Gränzrenovotionen ſind bigher gar ſehr vernac<läßiget worden, und ſie inöchten auch wohl bey der allgemeinen Saumſeligkeit, worin die meiſte Nach- baren in dieſem Stücke ſich betreten laſſen, noch ferner an den mehreſten Orten hintan» geſeßet werden,
Nur ſehr ſelten denken die Nachbaren eher. an.dergleichen- Gränzerneurungen, bis ſchon wirkliche. Jrrungen darüber entſponnen ſind, und dieſe ſie gleichſam aus ihren Schlaf aufwecken,
; Gemeiniglich iſt es aber alsdenn, wegen der gar zu ſehr unkennbar gewordenen Gränzmahle, um die Sache in ihrer erſten Geburt zu erſticken, zu ſpäthe. Denn eben darin beſiehet der Hauptnußen der öſtern Gränzrenovationen, daß die Gränzen von Zeit
zu Zeit in fennbaren Stande erhalten werden mögen, Ttt 3 44 2009
Von den bey Gränzſtreitigkeiten vorfallenden, theils 2. 517


