Von deu bey Gränzſtreitigkeiten vorfallenden, theils 16. 503
unterſcheiden, zumahl man ſich größeſtentheils an bloßen Wahrſcheinlichfeiten begnü- en muß. q Die Grade der Wahrſcheinlichfeit zu beſtimmen erfordert aber weit geübtere Sin- nen, als wenn die Wahrheit ſelber klar und deutlich vor Augen lieget. Hieraus ergiebet ſich nun, daß ein Richter bey der Wahl der Commiſſarien in Gränzſtreitigkeiten ſehr behutſam verfahren, und ſolches nur Männern, von deren geprüfe- ten Einſicht und Redlichkeit er überzeuget iſt, auftragen müſſe.
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Warum zu dergleichen Commiſſionen ſo wohl geſchickte auf die Juſtitz verpflichtete Perſo»- nen, als auch erfahrne Oekonomen zu wählen, und worinn bepyder Beſchäftigungen beſtehen.
Es kommt bey den Gränzirrungen nicht blos auf juriſtiſche Fragen an; ſondern die meiſten Gegenſtände, ſo in ſolhen Fäklen zu unterſuchen, und ins Licht zu ſtellen find, ſchlagen in das ökonomiſche Fach ein.
Dieſes machet es erforderlich, bey dergleichen Geſchäften ſo wohl geſchickte Rechtsgelehrte, als auch erfahrne Oefonomen zu wählen.
„Die Erſtern müſſen die ganze Sache einleiten“ und dirigiren, über die vorgefalle-
ne Umſtände genaue und deutliche Protocolle abhalten, die vorgeſchlagene Zeugen ord- nungsmäßig abhören, und überhaupt alles, was zur Auf klärung der Sache etwas. bey- fragen Fann, ad Acta ſammeln.
Der Zweyte hingegen muß dasjenige, was in das öfonomiſche Fach einen Ein- fluß hat, genau prüfen und unterſuchen, ſein(C*"tachten darüber zu Protocoll geben, und dabey dem Juſtiß- Cominiſſarius von denjenigen Dingen, die aus der Landwirthſchaft beurtheilet werden müſſen, einen richtigen Begriff mittheilen.
Sine gemeine Kenntniß in der Landwirthſchaft iſt hierzu nicht hinreichend. Auf bloßes Säen, Pflügen und Eggen komme es in dergleichen Fällen nicht an, ſondern die dabey vorfallende Dinge erfordern eine weit tiefere Einſicht, und Männer, die hierzu mit Nußen gebrauchet werden ſollen, müſſen ſelbſt von den Grundſäßen der Naturlehre, be- ſonders in dem vegetabiliſchen Reich, nicht gänzlich entblößet ſeyn, welches beſonders alsdeun nöthig iſt, wenn die von den unfennbaren Gränzmahlen annoch vorgefundene Spuhren und Ueberbleibſel beurtheilet werden ſollen,]
: Y.44 T07 Daß eine dergleichen Gränz- Commiſſion vor allen Dingen den interimiſtiſchen 2Beſigz eines ſtreitigen Sränzortes zu reguliren und feſtzuſetzen habe,
Dergleichen ſtreitige Gränzörter pflegen gemeiniglich zu allerhand Jrrungen und Unordnungen in Anſehung des gegenwärtigen Beſikes Gelegenheit zu geben.
Da ein jeder von den Nachbaren das Eigenthum daran verlanget, ſo iſt es ganz natürlich, daß ſich niemand aus dem Befiß deſſelben verdrängen laſſen will, woraus denn nichts anders, als häufige Pfändungen und Gegenpfandungen, ja wohl gar gefährliche Thätlichfeiten und fleine Bauerkrirge, entſtehen können»/
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