Schafzucht. (490)
derzeit in gehöxiger Uebereinſtimmung mit der darauf zu haltet: den Schafraſſe ſeyn, und man ſich nicht eigenſinnig gerade für eine ſolche beſtimmen, welche ihrex Natur nach nicht darauf ge: ze oder etwa den Nuten unter ſolchen Umſtänden nicht ab- verfen kann, als eine andere, die den örtlichen Umſtänden mehr angemeſſen iſt, Solchen Fällen mag es wohl öfters zuzuſchrei- ben ſeyn, daß es ſo viele Gegenden giebt, wo man aus Mans» gel an Sachkenntniß das Aufkommen der Schafzucht aufgeben mußte, indem dieſe nükßlichen Thiere ſich oft da verbannt finden, wo eine wohlgewählte, den Localumſtänden angemeſſene Schaf- raſſe den beſten Nuten gewähren könnte,
Der Schafhaltung von feinen Raſſen ganz zuwider und ſchädlich ſind jedo< alle jene Gegenden, die ihrer natürlichen Beſchaffenheit nah=- oder auch aus Mangel gehöriger Cultur =- ſaure, herbe Gräſer und Kräuter tragen. Derley Localitäten findet man in ſumpfigen, feuchten, oder in. ſolchen Lagen, wo durch eine zu große Beſchattung in Wäldern und auf ſehr mit= ternächtlich gelegenen feuchten Bergweiden, die Einwirkungen der Sonnenſtrahlen nicht Statt finden können, um aus den da2 ſelbſt wachſenden Pflanzen eine geſunde, gedeihliche Nahrung für die Schafe zu erzeugen, oder auch da, wo ſio>ende unterir= diſche Wäſier den Boden verſäuern. Ueberhaupt iſt Feuchtigkeit der Natur des feinwolligen Schafes zuwider; und dieſe äußert auch da hauptſächlich ihren ſchädlichen Einfluß, wo in feuchten mit Holz von allen Seiten umgebenen waſſerreichen Thälern, vder in der Nachbarſchaft von Flüſſen die Luft nicht circuliren kann, und dadurch ein beſtändig feuchter, den Scyafen ſchädlicher
"Dunſtkreis erzeugt wird, in welchem keine aromatiſchen denſelben-
gedeihlichen Pflanzen wachſen können.
Obwohl durch Kunſt, Induſtrie und gehörige Auswahl dex Zuchtihiere manchen Fehlern der Localitäten und deren Einwir-= kungen entgegengearbeitet werden kann z ſo ſoll man ſich doc bey der Hauptſache in der Wahl der zu haltenden Raſſe haupt- ſächlich von dem Locale leiten laſſen: denn die richtige Wahl und Beurtheilung deſſelben iſt ſo wichtig, daß ſie nach der Ab- ſftammung die erſte Bedingung zum Gedeihen und fernern Ver- edlung einer Schafraſſe iſt.|
Obwohl das Clima im Allgemeinen auf die Cultivirung dex Schafe ſehr influirt, ſv iſt dieſer Einfluß doch nicht ſo eingrei= fend, als jener der Oertlichkeit, und kann auch leichter durch die Kunſt nachgeholfen werden. Dieß beſtätigt die Naturali- ſirung der an Spaniens warmes, trocknes Clima gewöhnte Merinosraſſe in Rußland, Schweden, Polen, Dänemartf und Deutſchland, wo ſolche auf angemeſſene Localitäten gebracht, bey zwe>mäßiger Behandlung nicht im geringſten degeneriren, im Gegentheil bey richtiger Leitung der Zucht verbeſſert worden ſind, und noch verbeſſert werden, Ganz anders verhält es ſic
it dem Locale; denn würde man dieſe Raſſe z. B. in niedere umpfige Gegenden, auf naſſe geile Weiden bringen, ſo würden ſie ſogar in dem günſtigſten Clima nicht allein einen Theil ihrer preiswürdigen Eigenſchaften verlieren, ſondern auch nach Umſtän: den in kurzer Zeit eingehen,
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