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Die Wartung, Pflege und Zucht der Schafe, oder vollständiger Unterricht über alles, was auf die Naturgeschichte, Alter, Rassen, Kunstzucht und Benutzung der Schafe, nebst Kenntniß ihrer Wolle, Bezug hat : In zwölf Monatsabschnitten mitgetheilt ; Mit einer Kupfertafel / von Bernhard Petri ...
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2. Abſchn. Schafraſſen.

473 Die entſtandene Fettmenge in der Gegend des SINS bat ſich nachmals, wie eine erbliche Krankheit, fortgepflanzt und bey fortdauernden gleichen Umſtänden noch immer zuge: nommen, Dadurch iſt die Schwanzribbe endlich-- wie man bey mehrern kleinen Theilen thieriſcher Körper, die durc

Übermäßiges Fett gleichſam erſtickt gefunden wurden, Bey-

ſpiele hat=- nach und nach verzehrt und vielleicht glieder-

weiſe vernichtet worden. Demnach findet man jetzt bey fett- ſchwänzigen Schafen keinen eigentlichen Schwanz mehr, ſondern nur 3 oder 4 Wirbelbeine, deren Querforiſabe, ſo wie daß ſtumpfe Ende des äußerſten, abgerundet und wie geſchmolzen ausſehen, ſo daß ſich deutlich ergiebt, wie die äußerſten Wirbelbeine weggefallen ſind. Bey Lämmern, die von ruſſiſchen Schafen und fettſchwänzigem Widder fallen, pflegt der Schwanz an Wirbelbeinen ſchon viel vollkommener zu ſeyn und deren 10 bis 12 zu haben, die Übrigen aber zu einer Spitze nac) und nach abzunehmen. Gleichwohl behal- ten ſie einen ziemlichen Fettklumpen, welcher den zunächſt am Leibe befindlichen Theil des Schwanzes umgiebt, läng- lich und unten kahl iſt, und ſich in den magern, ganz wol= ligten Theil des Schwanzes, wie in einen Zipfel, endiget. Nicht ohne Grund läßt ſich vermuthen, daß die erſte Entz ſtehung der fettſchwänzigen Schafe durch eine ähnliche An- bäufung des Fettes zuerſt um einen Theil des Schwanzes veranlaßt worden; worauf der mit Fett nicht umgebene

Theil, durch Zufälle beſchädiget, verloren gegangen, und

die alſo verſtümmelten Widder ihren Fehler fortgepflanzt ha-

ben. Auf eine ähnliche Weiſe dürften durch einen erblichen

Fehler die bucklichten Schafe in Perſien entſtanden ſeyn,

welche allda mit vieler Sorgfalt erzogen werden. Es iſt

auch von unſern Schafen bekannt genus, daß nicht nur

Mißgeſtalten bey ihnen entſtehen und dieſe Fehler erblid)

werden. Wir würden darum ebenfalls ſonderbar geſtaltete

Schafe bekommen, wenn wir die fehlerhaften Jungen plan-

mäßig zur Zucht gehen ließen. So ſind die langen Schwänze

der Schafe wahrſcheinlich auch durch Zufall und Cultur entſtanden.

Zu jeder dieſer drey Stammraſſen laſſen ſich eine Menge Abarten erkennen und als conſtant betrachten, indem die Natur unerſchöpflich iſt. Uns intereſſirt die langſchwänzige am mehr- ſten, daher wir ſie am erſten abhandeln.

Unter den durch Natur und Kunſt hervorgebrachten Schaf- raſſen, welche dermalen in allen Welttheilen bekannt ſind, unter= ſcheiden ſich durch ihre beſondern Eigenthümlichkeiten und Eigen= ſchaften folgende in Europa:

Die ſpaniſchen Merinos. Sie ſind, je nachdem ſie aus berühmten leoneſer Heerden abſtammen, wo man von jeher nach richtigen Paarungsgrundſäten zu Werte zu gehen pflegte, mehr oder weniger berühmt.» Durch ſie iſt die Veredlung der Wolle in

anz Europa ausgegangen, und haben daher unter allen be- annten Schafraſſen für den deutſchen Schafzüchter das größte Intereſſe; indem er ſich von dieſer Schafraſſe nicht nur ſchon einen bedeutenden Nutzen verſchaffte-- ſondern ſich deſſen auch für die Zukunft, wahrſcheinlich in noch größerem Maaße, zu