26 Gewäſſer,
Zur Urbarmachung der Brücher und Sumpfgegenden ſind ebenfalls mit vielen Koſten Kanäle gezogen, die mit den benachbarten Flüſſen in Verbindung ſtehen, und das Waſſer dahin führen, aber ſelten zur Schiffahrt, ſondern nur zur Flöſſerei tauglich ſind. Hieher gehören die Kanäle und Gräben im Oderbruche; zwiſchen dem Rhin und der Doſſe; im Neuſtädtſchen Bruch; in der Silge, welche mit der Löfeniß in Verbindung ſtehen; im Drömling, welche ihren Abfluß in den großen von Jahrſtedt bis Calförde 1786 gezogenen Hauptkanal der Ohre haben, und endlich die großen Kanäle im Havelländiſchen Luche, welche das Waſſer theils dem Rhin, kheils der Havel zuführen. Der große Hauptkanal, welcher 21,678 Ruthen oder 103 Meilen lang, aber nur 2-- 4 Fuß breit iſt, erſtret ſich von dem Pinnowſchen Damm, un- weit Oranienburg, wo er mit der Havel in Verbindung ſteht, bis nach Nauen, von dort bis Bredikow, woſelbſt der Kleine oder der Frieſackſche Kanal, von 6767 Ruthen Länge, in ge- rader Richtung nach Frieſac> zum Rhin abgeht, durch den Witzfer und Hohen- Nauenſchen See, wo er ſich mit der Havel wieder vereinigt. Mit dieſen Haupt Kanälen ſtehen noch 25 Binnen- graben, welche das Luch in allen Richtungen durchſchneiden. Die Urbarmachung dieſes großen Havelländichen Luchs ward in den Jahren 1718 bis 1724. bewerkſtelliget.*)
5."Se ein-
Stehende Gewäſſer hat die Kurmark, wie alle auf der Nordſeite der Elbe liegende Län- der, in großer Menge, vorzüglich die Mittelmark und Ukermark. Dieſe Seen ſind theils wegen ihrer leichten Verbindung zur Flöſſerei, theils der Fiſcherei wegen wichtig. Auf Größe(wie der Müritzſee im Mecklenburgiſchen) kann keiner derſelben Anſprüche machen, wohl aber iſt die An- zahl der fleinen, die man zum Theil mit Recht Pfühle nennt, ſo bedeutend, daß ich die Richtig- keit der Behauptung unſerer Geographen, welche der ganzen Kurmark 679 Seen geben, gar ſehr bezweifele. Seit verſchiedenen Jahren hat aber ihre Anzahl ſehr abgenommen, da viele abgelaſ- ſen, urbar gemacht und ohne fremdes Zuthun ausgetrocfnet ſind.
a. Die Altmark iſt in dieſer Hinſicht am ärmſten. Der Arendſee oder Arendſeeiſche See iſt der einzige von Bedeutung, aber auch faſt der merkwürdigſte in der ganzen Kurmark.
Er iſt 2170 Morgen 60[-] Ruthen groß**), 20 bis 30 Klafter tief, und friert wegen der "beſtändigen Bewegung der Oberfläche höchſt ſelten zu. Außer einem weſtlich vom Dorfe Schrampe fommenden Bache hat der See keinen Zufluß, und einem kleinen weſtlich nach Zieſſau fließenden Bache keinen Abfluß. Der Spiegel deſſelben erhebt ſich von Jahr zu Jahr,
' vorzüglich an der Seite der Stadt und des Kloſters Arendſee. Es wurden daher verſchie-
*) Eine ausführliche Beſchreibung der im Havelländiſchen Luche befindlichen Kanäle und Dämme findet man - in dem Borgſtedeſchen Werke S. 133== 143.
27) 00 wirklichen, 1782 angeſtellten, Vermeſſungen. Wer mehr über die Naturerſcheinungen dieſes merk- würdigen Sees nachleſen will, dem kann iH Silberſc<lags Nachrichten und Reſultate empfehlen. S. Beobachtungen der Naturforſch. Geſellſch. in Berlin. St. 4. S. 225= 235-


