Druckschrift 
Auszug aus den Protokollen des Leipziger Woll-Convent's im Jahre 1823 :
(gedrucktes Manuskript für die Herren Mitglieder und Theilnehmer desselben)
Entstehung
Seite
XIV
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ſo war die Frage aufgeſtellt worden: ob jene durch lestere verbeſſert oder verſchlechtert wür- den? Herr Brehmer und Herr Trinius wa- ren der Meinung, daß ſolc<he untermiſchte feinere Haare die Wolle allerdings verbeſſern, jedoch meinten ſie nach fernerer Erdrterung der Frage, daß ſie ſolhe nur immer nach dem Werthe be- zahlen könnten, welchen ihr die Maſſe der grd= beren Haare gäbe, Herr Köhler hielt dagegen eine in der Stärke des Haars ganz gleichartige

"Wolle für den Kamm und zu ſchlimten Gewe-

ben für vorzüglicher, weil ſie einen reinern und

- glättern Faden gäbe, wogegen er zugab daß die

untergemengten feinern Haare bei der Krempel- Bearbeitung nicht ſchaden könnten. Herr Breh- mer fügte noch hinzu, daß man ja ohnedies feinere und aud) Lammwolle unter die gröbere miſche um den Tüchern eine ſanftere Oberfläche zu geben,

Der Präſident ſprac< nun über die ver- ſchiedenen Inſtrumente, welche zur Beſtim- mung des Durchmeſſers der Wollhaare, erfun- den worden, und daß unter den bisherigen der Dollondſ<e Eirometer der zuverläßigſte zu ſeyn ſcheine. Der Theorie nach ſei er wirk- lich ohnfehlbar, bei der Anwendung aber. ſehr leicht Täuſchungen unterworfen; indem nämlich das Licht nach ſeiner Intenſität und nach der Richtung in welcher es auf das gebrochene Ob-

jectiv- Glas falle, einen verſchiedenen Reflex der

Strahlen von vem Ohjecte bewirken könne; auch ſey es bei der Manipulation ſehr ſchwierig, den Punkt wo ſich die beiden Objectiv- Bilder be- rühren ohne ſich mit dem Rande zu deen, ge- nau zu treffen, ſo daß nicht eine Täuſchung von einem Zehntauſendtheike des Zolls entſtehe; man habe die Schraube kaum ſo in ſeiner Gewalt,

daß dieſe Irrung gänzlich vermieden werden könne. Er zeige daher mit Vergnügen die Er- findung des Herrn Köhler, die er in einer klei- nen vorliegenden Druckſchrift beſchrieben habe, hierdurc) an. Das Inſtrument ſelbſt würde Herr Köhler Nachmittags produciren und Verſuche damit anſtellen. Es unterſcheide ſich darin von allen andern, daß der cubiſche Inhalt einer be- ſtimmten Zahl von Haaren, auf einer beſtimm- ten Fläche gemeſſen werde und weder Anſtren= gung noch Täuſchung des Auges dabei ſtatt fin- den könne,

Ueber die ſogenannten Spißen der Wolle, worunter man das Groöberwerden des Haars an ſeinem obern Theile verſteht, und welche ſich in einigen Vließen ſehr auffallend zeigen, wurde die Frage aufgeworfen: ob ein unten feineres Haar mit gröberen Spilzen, oder aber ein etwas grö- beres mit gleichartigen Spißen vorzuziehen ſey? Die allgemeine Meinung war, daß dieſe Spißen ſehr nachtheilig ſeyen und Herr Köhler drüste ſich am beſtimmteſien auf folgende Weiſe aus: Fände dieſer Fehler im Extrem ſtatt, ſo daß der obere Theil des Stapels bartig, ſtarr- oder ſchilf- haarig ſey, ſo würde er eine Wolle ſo fehlerhaft machen, daß ſie nur nach dem Werth der groben Spißen bezahlt werden könne; wären dieſe z. B. nur 10 Thlr., der untere Theil der Haare aber 20 Thlr. werth, ſo könne man doh nicht mehr als 10 Thlr. für die ganze Wolle bezah- len; es legten ſich dieſe groben Theile bei dem Fabrikate oben auf, nähmen den Farbenlüſter nicht an, und ſtellten überhaupt das Tuch ſo dar, als wenn es aus lauter ſolcher Wolle gemacht wäre, wie die Spilzen enthielten.

Da man dieſe groben Spilzen öfters abſchnei- det um beſſere Fabrikate aus der Wolle verfertigen

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