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ie Feier von Kaisers Geburtstag am 27. Jan. 1915 vollzog sich infolge des Krieges anders als sonst. Das Festessen, an dem sich in früheren Jahren die Vertreter der Behörden mit der Bürgerschaft und Angehörigen des Offizierkorps zu versammeln pflegten und bei dem der Rektor der Universität die Aufgabe hatte, die Kaiser-Rede zu halten, mußte wegfallen. Andererseits machte sich gerade durch den Ernst der Zeit erst recht das Bedürfnis geltend, des Kaisers, der mit im Felde steht, in würdiger Weise zu gedenken. Schon an dem Erinnerungstage der Reichs- gründung empfand in diesem Jahre mancher mit Bedauern, daßt dieser wichtige Tag ohne akademnische Feier verlaufen muſtte, während wir gerade jetzt die stärkste Veranlassung haben, über seine Wichtigkeit und Bedeutung nachzudenken. So entstand an der Universität Gießen der Plan, diese beiden Feiern an Kaisers Geburtstag miteinander zu verbinden, und der Kriegs-Ausschuſßt der Landes-Universität beschloß die Ausführung durch einen Festakt in der großen Aula der Universität. Dieser fand am 27. Jan. 1915 früh II ¼ Uhr statt. Eingeleitet wurde die Feier durch die mächtigen Klänge des alten Lutherliedes„Ein feste Burg ist unser Gott“, vorgetragen von den Bläsern der vereinigten Posaunenchöre, die ihre Mitwirkung in dankenswerter Weise zugesagt hatten. Darauf nahm der Rektor der Universität Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Sommer das Wort zu folgender Ansprache:


