Unſere Univerſität beſitzt wie kaum eine andere eine ideale Ausbaufähigkeit durch die bereits erfolgte umfangreiche Pla⸗ nung und Sicherſtellung von Bau⸗ grund. So liegt bereits ein großzügiger Ge⸗ neralbebauungsplan vor, der jede Mögllichkeit einer Fortentwicklung in ſich ſchließt. Wir beab⸗ ſichtigen ferner die Vielſeitigkeit der Ausbildungsmöglichkeiten und der beſonderen Eigenart unſerer Uni⸗ verſität noch weiter zu vertiefen und auszu⸗ bauen. Wir ſind ſtolz darauf, eine ausgezeichnete Veterinärmediziniſche Fakultät zu beſitzen, welche den Ruhm hat, die älteſte ihrer Art in Deutſchland und die einzige in Weſtdeutſch⸗ land zu ſein. Ein ebenſo ideeller wie realer Wert beſteht in dem Vorhandenſein unſerer land⸗ wirtſchaftlichen Inſtitute. Ich er⸗ wähne ferner die enge Verbindung der Univerſität mit dem Kerckhoff⸗Inſtitut in Bad⸗ Nauheim und die hierdurch bedingte Möglich⸗ keit einer Ausbildung auf dieſem Gebiete, wie ſie wohl einzigartig in Deutſchland ſein dürfte.— Ich verweiſe ferner auf unſere Lupus⸗Heil⸗ ſtätte, die als erſte ihrer Art in Deutſchland in Gießen gegründet wurde, ferner auf die erſt vor kurzer Zeit erbaute Orthopädiſche Klinik ſowie auf das großzügig angelegte und geräumige
Phyſiologiſche Inſtitut. Auch die Erb⸗
biologie und Raſſenhygiene hat in Gießen vor ſehr vielen anderen Univerſitäten durch die Errichtung eines eigenen Lehrſtuhles und Gründung eines Inſtitutes vor wenigen Jahren eine Forſchungs⸗ und Lehrſtätte gefunden. Weiter⸗ hin muß unſer Studentenheim und unſer Studentenwerk als vorbildlich angeſprochen werden, denn es iſt bereits ausgebaut wie nur an wenigen anderen Univerſitäten.— Wenn auf dieſe Weiſe den Studierenden Möglichkeiten nach ſehr vielen Richtungen gegeben ſind, ſo möchte ich noch auf die ſportlichen Möglichkeiten hin⸗ weiſen, die zum Teil landſchaftlich gebunden und beſonders günſtige ſind. Wir haben weiterhin die Abſicht, die ſtudentiſchen Kameradſchaf⸗ ten weiter auszubauen und fortzu⸗ entwickeln, und ich glaube, daß die Voraus⸗ ſetzungen hierfür an einer kleineren Univerſität be⸗ ſonders günſtig ſind.
So können wir feſtſtellen, daß ein arbeitsreiches Jahr hinter uns liegt. Große Aufgaben auch für die kommende Zeit ſind zu erwarten, die wir uns freuen, in Angriff nehmen zu dürfen. Wenn wir alle heute in dieſer Feierſtunde ſtolz darauf ſein können, daß wir das Glück hatten, im vergange⸗ nen Jahr nicht erfolglos zu arbeiten, ſo verblaßt dieſes naturgemäß vor dem Stols, den wir emp⸗ finden, daß wir in dieſer großen Zeit überhaupt mithelfen durften, verblaßt aber erſt recht vor dem verpflichtenden Stols, den wir darüber emp⸗ finden, Deutſche und Zeitgenoſſen unſeres ein⸗ maligen Führers zu ſein.
HOberbürgermeiſter Pg. Ritter
Nach dem Bericht des Rektors brachte das Städtiſche Orcheſter das Alegretto ſcherzando aus der 8. Sinfonie von Beethoven zum Vortrag, wo⸗ rauf Oberbürgermeiſter RKitter eine kurze An⸗ ſprache hielt, in der er ungefähr folgendes aus⸗ führte:


