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politiſche Zuſtand Deutſchlands kein andrer geworden; das neue religiöſe Band wäre ſo wenig wie das alte imſtande geweſen, den Egoismus des Fürſtentums zu überwinden. Wie aber jetzt der konfeſſionelle Gegenſatz zum politiſchen hinzukam, ſpitzte ſich der Zwieſpalt bis zum offnen Kriege zu, ohne daß doch das katholiſche Fürſtentum dadurch für eine ſtärkere Machtſtellung des katholiſchen Kaiſertums ge⸗ wonnen worden wäre. Die freie Entwicklung des Prote⸗ ſtantismus in den erſten FJahrzehnten der Reformation iſt bedingt durch die politiſchen Verhältniſſe der Welt und des Reiches; aber wie die Gedanken Karls V. weit über Deutſch⸗ land hinausgreifen und das Gehenlaſſen des Proteſtantismus für ihn ein politiſches Mittel zur Einſchüchterung des Papſt⸗ tums wird, ſo ſoll dann umgekehrt die in der Welt gewonnene Macht zur Anterdrückung des Proteſtantismus wie der deut⸗ ſchen Fürſtenmacht dienen.
Es iſt ein neuer Verſuch, den Partikularismus in Deutſch⸗ land zu dämpfen und eine ſtarke Zentralgewalt aufzurichten, unternommen zu einer Zeit, wo der religiöſe Zwieſpalt die Intereſſengemeinſchaft des deutſchen Fürſtentums zerſtört zu haben ſchien. Aber der erſte Mangel dieſes Anternehmens war, daß es nicht aus dem Empfinden eines um Deutſchland leidenden Kaiſers entſtand, ſondern daß es die Äbertragung des ſpaniſchen Abſolutismus auf deutſche Verhältniſſe ſein ſollte. Was in Spanien die Macht des Königtums erfolg⸗ reich geſtärkt hatte— die Anterdrückung der partikularen Gewalten— ſollte auch in Deutſchland geſchehen, damit die Machtmittel des Reiches der habsburgiſchen Weltpolitik voll zur Verfügung ſtänden. Der Erfolg einer Idee ſteht zumeiſt im inneren Verhältnis zu ihrem Ausgangspunkt— ein nationaler Reformator konnte Karl V. nicht werden. Die deutſchen Fürſten waren keine ſpaniſchen Granden und das ganze Weſen der Nation widerſprach der Abſicht des Kaiſers. Den zäheſten Willen und eine überlegene Macht hat Karl V. für die Verwirklichung ſeines Planes eingeſetzt, aber dem Sieg im Schmalkaldiſchen Kriege folgte die Niederlage im Fürſtenaufſtand von 1552. So unmoraliſch das Berhalten


