Universität Giessen, Winterhalbjahr 1901/2.
Studienplan für Mathematik.
Die Vorlesung„Differential- und Integralrechnung“ und die sich daran ahschliessendemn,„Uebungen über die Elemente S, 70 der höheren Mathematik“ Sind für Studierende der Mathe- matik in den ersten Semestern, sowie für Studierende der Naturwissenschaften und der Forstwissenschaft bestimmt.
Die Vorlesung über„Zahlentheorie“ knüpft ebenfalls nicht an bestimmte, erst auf der Universität zu erwerbende Kenntnisse an und ist Studierenden von beliebiger Semester- zahl in gleicher Weise zugänglich. Dasselbe gilt für die „darstellende Geometrie“, in welcher die kotierte Projektion, Axonometrie, Zentralprojektion, Schatten- und Beleuchtungs- lehre behandelt werden soll.
Für„Analytische Geometrie der Ebene, II. Theil“ und „Funktionentheorie, II. Theil“ ist die im ersten Semester, für „Analytische Mechanik“ und„Variationsrechnung“ die in zwei oder drei Semestern zu erwerbende Vorbildung erforderlich.
Mit dem Besuche des mathematischen Seminars ist im zweiten oder dritten Semester zu beginnen.
Die Vorlesungen aus dem Gebiete der Mathematik können nur dann wirklich nützen, wenn das Vorgetragene in den Hauptpunkten deutlich aufgezeichnet und regelmässig mit Sorgfalt ausgearbeitet wird. Den Dozenten wird es stets erwünscht sein, wenn sie um Aufklärung über unklar erscheinende Stellen angegangen werden.
Die Vorlesungen können nicht so eingerichtet und vertheilt werden, dass sie jedem Studierenden den ganzen erforderlichen Wissensstofft bieten. Unerlässlich ist daher privates Studium, namentlich in den Ferien. Doch kann das Studium von Lehrbüchern allein die Ausarbeitung der Vorlesungen nicht ersetzen.


