Jahrgang 
1917
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ie ungeheuren Heeresmaſſen, die in dieſem Weltkriege

aufeinander ſtießen, haben der Kriegsfürſorgetätigkeit

zum Teil ganz neue und ſchwere Aufgaben geſtellt,

die zu Beginn des Krieges ſich auch nicht annähernd in ſolchem Umfange vorausſehen ließen. Hierher gehört in erſter Linie die Ermittlung Vermißter und die Fürſorge für die Kriegsgefangenen. Schon nach wenigen Monaten hatte die Zahl von Vermißten und der Umſtand, daß über den Verbleib von Kriegsgefangenen zunächſt ſo gut wie keine Nachrichten zu erlangen waren, zur Folge, daß neben der amtlichen Nach⸗ forſchungs⸗ und Fürſorgearbeit mehr private Organiſationen den Angehörigen eine Unterſtützung in ihren Nachforſchungen zu verſchaffen ſuchten. Bei allem edlen Wetteifer, der hier von den verſchiedenſten Seiten entfaltet wurde, zeigte es ſich aber bald, daß die Ergebniſſe nur gering ſein konnten, da die ein⸗ zelnen Stellen ohne gegenſeitige Fühlung miteinander arbeite⸗ ten und auch durch die Inanſpruchnahme jeder ihnen bekannt und zugänglich werdenden Auskunftsſtelle durch die Angehörigen eine Zerſplitterung und unfruchtbare Belaſtung der Arbeits⸗ kräfte dieſer Stellen einſetzte. Eine Vereinheitlichung der Hilfs⸗ tätigkeit für die Kriegsgefangenen ergab ſich daher ſchon in dem erſten Kriegsjahr mit immer dringenderer Notwendigkeit, da nur eine Zuſammenfaſſung aller Beſtrebungen dieſer Art wirklich im Intereſſe ſowohl der Kriegsgefangenen ſelbſt, als auch der Angehörigen ſein konnte.

Im Frühjahr des Jahres 1915 gab der Hamburgiſche Landesverein vom Roten Kreuz die Anregung, zwei Fentral⸗ ausſchüſſe zu bilden, deren einer für Norddeutſchland in Ham⸗ burg und der andere für Süddeutſchland in Frankfurt am Main geſchaffen wurde. An dieſe beiden Zentral⸗Ausſchüſſe ſchloſſen ſich bald für die einzelnen Landesteile und Stadte Unterausſchüſſe an, ſo daß ſchon vorhandene Organiſationen, welche die gleichen Zwecke verfolgten, beſtehen blieben, oder neue im zuſ ammenhang mit den Vereinen vom Roten Kreuz ins Leben gerufen wurden.

Auch das Großherzogtum Heſſen gliederte in ſeinen ein zelnen Zweigvereinen beſondere Hilfsſtellen für kriegsgefangene Deutſche an den Fentralausſchuß in Frankfurt am Main an und zwar wurden meiſt mehrere Kreiſe der drei Provinzen zu Bezirksausſchüſſen zuſammengefaßt. Die ſchon früher in Gießen eingerichtete Nachforſchungsſtelle löſte ſich nach Verhandlungen mit dem Zweigverein Gießen vom Roten Kreuz auf und machte, da die Arbeit in einem ſolchen Umfang gewachſen war, daß den Wünſchen der Bevölkerung in bezug auf Auskunft nicht mehr genügt werden konnte, demBezirksausſchuß Gießen für

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