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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
58
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Friedrich. Meine Frau war geſtern bei Hofrat Steins in Kaffeegeſellſchaft. Zwiſchen der Kommiſſionsrätin Garnier und der Frau Brand kam es da zu einer förmlichen Boxerei.

Becker. Was? Unerhört!

Friedrich. Die Garnier war außer Rand und Band, weil ihr Aſinus von Filius ſitzen geblieben iſt. Die Brands waren mit Vorbehalt verſetzt. Das wurmte ſie. Sie ſtichelte auf Fuchs und ſein Verhältnis zur Brand. Und die blieb ihr natürlich keine Antwort ſchuldig. Ein Wort gab das andere. Schließlich ſtürzten ſie wie die Kampfhähne aufeinander. Alles ſchrie Zeter und Mordio. Der Brand wurde die Thür gewieſen. Seitdem läuft ſie in der Stadt umher und erzählt die unglaublichſten Dinge über unſeren Direktor.

Hippler. Über unſeren früheren Direktor.

Sellmann. Das klingt ja ganz unglaublich.

Friedrich. Meine Frau iſt klaſſiſche Zeugin.

Hippler. Das ſind die unausbleiblichen Folgen ſolcher Skandaloſa, wie wir ſie jetzt erleben.

Becker. Eh! Ich war geſtern mit dem Kollegen Hippler im Club.

Hippler. Das ganze Neſt ſteht in hellem Aufruhr.

Becker. Die Skattiſche waren leer. Alles vereinigte ſich zu einem Entrüſtungsſturm.

Hippler. Jawohl, die entrüſteten Väter wollen ihre Söhne aus dem Gymnaſium nehmen.

Friedrich. Das kann ich ihnen nicht verdenken. Es löſen ſich alle Bande frommer Scheu.

Hippler. Der Direktor wird allgemein verurteilt.

Sellmann. Ja, aber warum denn?

Hippler. Sehr einfach. Weil er ſich an dieſe Tillmann gehängt hat, die Frau eines Zuchthäuslers.

Becker. Und was das Schönſte iſt, gerade in dem Augenblick, wo der junge Tillmann als gemeiner Dieb ein geſteckt wird.

Sellmann. Es ſcheint, ſie ſtehen auch auf dem Stand⸗ punkt der entrüſteten Väter.

Hippler. Wozu das Verſteckſpielen? Der Direktor hat ſich ganz unmöglich gemacht.

Meyer. Das ſtelle ich entſchieden in Abrede.