— 51—
Frau Tillmann(wehmütig). In dieſen Wochen iſt ein heller Schein in mir aufgedämmert—
Direktor(leidenſchaftlich). Sagen Sie mir das jetzt nicht. Ich bitte Sie.
Frau Tillmann(wie verklärt). Sie waren der erſte, der der Verſtoßenen die Hand bot. Sie kamen in mein geächtetes Haus. Sie dachten groß. Größer als all die Menſchen, die ich verachte. Ich habe in den Stunden unſeres Beiſammen⸗ ſeins ein unbekanntes Glück erlebt. Das liegt nun hinter mir.
Direktor. Sie wiſſen gar nicht, wie weh Sie mir thun. Wenn ich Ihnen nur etwas ſein könnte.
Frau Tillmann. Ich habe noch eine Bitte—
Direktor. Sprechen Sie!
Frau Tillmann. Robert wird beſtraft. Ich weiß es, ſehr hart. Er verdient das. Aber er iſt noch ſo jung. Ich bin ſicher, er geht in ſich. Er wird ſich beſſern. Wollen Sie ſich ſeiner annehmen, wenn er ſeine Strafe verbüßt hat?
Direktor. Von ganzem Herzen gern. Und Sie?
Frau Tillmann(zögernd). Ich— gehe weg von hier— weit weg.
Direktor(erſchreckt'. Was haben Sie vor?
Fran Tillmann. Fragen Sie nicht. Meines Bleibens iſt hier nicht.
Direktor. Nein, Sie ſollen leben. Sie müſſen.
Frau Tillmann. Laſſen Sie mich. Ich habe zehn Jahre gekämpft. Es war umſonſt. Aber ich will nicht ſehen, wie mein Sohn vor den Strafrichter geführt wird. Machen Sie mir dieſe Stunde nicht noch ſchwerer. Leben Sie wohl. Herzlich Lebewohl.
Direktor(mit ſich kämpſend, dann entſchloſſen). Bleiben Sie. Ich will es.
Frau Tillmann(ſchüttelt traurig den Kopf). Thun Sie, was Ihres Amtes iſt.
Direktor(überwältigt). Ich verlaſſe Sie nicht.
Frau Tillmann(will ihm mit einem Aufſchrei zu Füßen fallen). Sie werden ihn retten?
Direktor(ſie ſanft auffangend). Hören Sie mich an—
Frau Tillmann(dringender). Werden Sie ihn retten?
Direktor(hoheitsvoll'. Frau Tillmann, können Sie den Mann achten, der ſich mit einer Unredlichkeit beſchmutzt?


