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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
50
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Frau Tillmann. Nein, keine Ahnung.

Direktor. Sie werden ſehen, er hat einen Mitſchuldigen gehabt.

Frau Tillmann verzweifelt). Und ich habe ihm das Werk⸗ zeug gekauft. Vor meinen Augen hat er den Nachſchlüſſel gemacht.

Direktor. Quälen Sie ſich doch jetzt nicht damit.

Frau Tillmann. Er ſollte gut machen, was ſein Vater geſündigt. Um die letzte Hoffnung bin ich betrogen. Und die Schande!

Direktor. Seien Sie doch ſtark, liebe Frau Tillmann.

Frau Tillmann. Ach, lieber Freund, helfen Sie mir.

Direktor. Wenn ich wollte ich kann nicht. Wo iſt er jetzt?

Frau Tillmann. Ich habe ihn mitgebracht. Er ſteht draußen, aber er wagt nicht hereinzukommen. Er iſt ganz zerknirſcht. Er bereut. Es war ein tückiſcher Streich. Aber er iſt kein Verbrecher. Es iſt doch mein Kind. Ich kann's, ich will's nicht verleugnen. Ich gehöre zu ihm. Helfen Sie, lieber Herr Direktor!

Direktor. Es liegt nicht in meiner Macht zu helfen. Sie ahnen gar nicht, was für mich dabei auf dem Spiel ſteht.

Frau Tillmann(in Verzweiflung). Das iſt Ihr ganzer Troſt? Ich beſchwöre Sie, was werden Sie thun?

Direktor. Was mir Amt und Pflicht vorſchreiben.

Frau Tillmann(ſinkt niedergeſchmettert auf einen Stuhl). Er iſt alſo verloren!

Direktor(geht erregt auf und nieder).

Frau Tillmann(nach einer Weile ſich erhebend mit Größe und Faſſung). Verzeihen Sie mir, Herr Direktor. Ich war eine Thörin. Ich begreife vollkommen. Sie müſſen Ihre Pflicht thun. 4 Direktor. So ſchwer es mir wird ich kann nicht anders.

Frau Tillmann. Gewiß nicht.

Direktor. Ich weiß wohl, wie Sie leiden, aber

Frau Tillmann. Ich ſcheide ohne ein bittres Gefühl von Ihnen. Haben Sie Dank für Ihre Güte und Freundſchaft.

Direktor. Ich habe Ihnen ja gar nicht helfen können.