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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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Direktor ſieht ſie gütig, aber ernſt an). Ich hoffe doch. Iſt Ihr Sohn von ſeinen Schulkameraden wieder gekränkt worden, ſeit er von Stettin zurück iſt?

Frau Tillmann. Geſagt hat er nichts. Aber ich fürchte faſt, es iſt geſchehen. Er iſt verſchloſſener und in ſich ge⸗ kehrter als je.

Direktor. Haben ſie denn gar keinen Einfluß auf ihn?

Frau Tillmann. Leider ſehr wenig. Und das bedrückt mich ſo ſehr. Dann quält mich oft der Gedanke, ein furcht barer Gedanke, den ich garnicht auszuſprechen wage.(Sie ſcockt.)

Direktor. Liebe Frau Tillmann, wenn ich Ihnen helfen ſoll und ich möchte Ihnen gern helfen ſo müſſen Sie mir alles bekennen, alles erklären alles. Ich kann Ihnen nichts erſparen.

Frau Tillmann. Es giebt Stunden und Tage, an denen ich meinen Sohn, ohne daß er es weiß, beobachte, den Blick ſtreng auf ihn gerichtet halte, dem Klang ſeiner Stimme lauſche, den ſeltſamen Gang ſeiner Gedanken verfolge. Dann iſt es mir oft, als ob ich Züge ſeines Vaters in ihm ent⸗ decke, die nichts Gutes verheißen. O, Sie wiſſen nicht, wie unglücklich mich dieſe Entdeckung macht.

Direktor(beſtimmt). Sie dürfen ſolche Vermutungen unter keiner Bedingung in ſich aufkommen laſſen.

Frau Tillmann. Glauben Sie deshalb nicht, daß mich das ungerecht gegen ihn macht.

Direktor. Seien Sie ganz ruhig. Ich bin nicht macht⸗ los Ihnen zu nützen. Ich werde meine Maßregeln treffen. Niemand hat das Recht, ihren Sohn zu verſpotten. Niemand, ſage ich Ihnen. Und wehe dem, der es dennoch wagt. Ich bedaure nur, daß Sie nicht früher zu mir gekommen ſind.

Frau Tillmann(warm und gerührt). Ich bin Ihnen ſo dankbar. Es iſt das erſte gute Wort, das ich nach langer, langer Zeit höre.

Direktor(mit ſchlichter Empfindung). Und hoffentlich nicht das letzte. Ihr Sohn muß wieder Vertrauen zu ſeiner Um⸗ gebung gewinnen.

Frau Tillmann. Ja, das fehlt ihm. Er fühlt ſich unter ſeinen Kameraden nicht ſicher. Zu Hauſe hat er nur mich. Aber Jugend braucht doch Jugend. Der einzige