der Fachgebiete und der Erweiterung des Ingenieurkurses, der Einrich- tung einer Schuhmacherfachschule* und einer keramischen Lehrwerk- stätte. Die keramische Lehrwerkstätte wurde nach 1933 aufgegeben.
Mit einer gewissen Zuversicht sah man der Zukunft entgegen; mit ge-— dämpftem Optimismus erwartete man mit Hilfe der Landesregierung und der Stadt Gießen den baldigen Baubeginn eines neuen Schulhauses, um auch der immer unerträglicher werdenden Raumnot zu begegnen.
Aber noch ehe knapp 2 Jahre später die Weltwirtschaftskrise von Amerika nach Europa und Deutschland übergriff und eine ungeahnte wirtschaftliche Depression einleitete, die die Aufwärtsentwicklung technologischer Ausbildung stoppen sollte, wurden Stimmen laut, die vor der ungebremsten Ausweitung der Gießener Schule warnten.
Exemplarisch hierfür waren Zeitungsannoncen der Jahre 1926 und 1927 des Bundes technischer Angestellter und Beamter, die davon abrieten, die Ausbildung im Baufach und Maschinenbau in Gießen zu beginnen, da sich die Zahl der stellenlosen Techniker als Absolventen der Ge— werbe- und Maschinenbauschule in letzter Zeit häufe.
In ähnlicher Weise äußert sich eine Denkschrift der gleichen Organi- sation vom 25.2.1928 an den Gießener Bürgermeister Seib, in der es u. a. heißt:
Der Versuch, aus der Gewerbe- und Maschinenbauschule in Gießen ei-— ne höhere Bauschule zu machen, muß scheitern, da die Heraushebung der drei bereits bestehenden Baugewerkschulen“ in Bingen, Darmstadt und Offenbach für Hessen ausreichend sei.
Es folgt eine Aufzählung der damals- auf dem Höhepunkt der Wei- marer Republik- im Volksstaat Hessen bestehenden technischen Bil-
dungsanstalten:
1. Die Technische Hochschule Darmstadt
2. Die höheren Bauschulen in Bingen, Darmstadt und Offenbach
3. Das Polytechnikum der Stadt Friedberg und das Technikum Bin-— gen
4. Die Gewerbe- und Maschinenbauschulen in Alzey, Büdingen, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Mainz, Nidda, Offenbach und Worms.
Hinzuzuzählen seien die Baugewerkschule in Idstein und die techni- schen Lehranstalten Frankfurts für das heimische Wirtschaftsgebiet.
* Die Schuhmacherfachschule war am 1.11.1924 von den Schuh- macher-Innungen Oberhessens, Hessen-Nassaus und Westfalens gegründet und der Gewerbeschule angegliedert worden. Ihre Schülerzahl schwankte zwischen 20 und 30 im Jahr. Ab 1.4. 1930 unterstand sie der Trägerschaft der Stadt Gießen und wurde bis in die Kriegszeit weitergeführt.
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