Hinterland, den Kreisen Biedenkopf und Vöhl, mußte auch ein Teil des Kreises Gießen abgetreten werden. Dies betraf die auf der Grundkarte nicht erfaßten Orte westlich der Lahn Rodheim-Bieber, Fellingshausen und Krumbach, dazu aus dem gleichnamigen Amt: Königsberg, Fran- kenbach, Waldgirmes, Naunheim und Hermannstein. Dieses Gebiet war zwischen Heuchelheim und Rodheim durch eine ganz schmale Land- brücke mit Gießen und dem übrigen Kreis verbunden. Die verwirrenden Grenzverhältnisse in diesen Bereichen sind noch heute in den Wäldern an zahlreichen Grenzsteinen abzulesen, so u. a., an den Dreiherrnsteinen im Krofdorfer Forst und am Königsstuhl.
Auf der westlichen Lahnseite blieben nach 1866 nur noch Ruttershau- sen und Heuchelheim hessisch und somit dem Kreis Gießen erhalten.
Allerdings brachte der Friedensschluß von 1866 der Provinz Oberhessen auch einige"Abrundungen“; so wurde die bis dahin kurhessische Ex- klave Treis dem Kreis Gießen zugeteilt; doch gegen alle topographi- sche und historische Vernunft wurden die Orte Winnen und Nordeck bei dem nunmehr preußischen Kreis Marburg belassen.
Eine weitere Verwaltungsreform des Jahres 1874 brachte die Einrich- tung von Kreis- und Provinzialtagen und für die Provinz Oberhessen die Auflösung der Kreise Grünberg, Nidda und vilbel. Der Ortsteil des Kreises Grünberg kam an den Kreis Alsfeld, das alte Amt Grünberg mit dem ehemaligen Adelsgericht Londorf an den Kreis Gießen. Vom aufgelösten Kreis Nidda wurde das Gebiet um Hungen bis zur Süd- grenze dem Kreis Gießen zugeschlagen, wie es die Karte verdeutlicht.
Der politische Umschwung im November 1918 vom Großherzogtum zum Volksstaat Hessen brachte keine Neuorganisation der Kreis- und Pro- vinzialverwaltung und damit auch keine Gebietsveränderungen.
Erst im Jahre 1937/38 wurden die bisherigen Provinzialverwaltungen aufgelöst, in Oberhessen der Kreis Schotten eingezogen und Gießen als selbständiger Stadtkreis eingerichtet. Nunmehr kam Laubach und sein Umland zum Kreis Gießen. Mit Wirkung vom 1.4.1939 wurde der Stadtkreis Gießen um die eingemeindeten Orte Wieseck und klein- Linden sowie die Gemarkung der Staatsdomäne Schiffenberg erweitert.
Die letzten größeren Veränderungen vor der endgültigen Aufhebung des Landkreises Gießen und seinem Ubergang in die größere Verwal- tungseinheit des Lahn-Dill-Kreises brachte dann die seit dem Ende der 60er Jahre sich langsam anbahnende Gebietsreform, zuerst auf freiwillige Initiative einzelner Gemeinden zurückgehend.
Wir können uns hier ein Eingehen auf die innerhalb des Kreisgebietes erfolgten Zusammenschlüsse ersparen, da diese in anderem Zusammen- hang aufgezeigt werden; wir beschränken uns daher auf die Verände- rungen des Kreisgebietes nach außen.
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