Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen

Altenhain gehörte zum Landratsbezirk Schotten, die Orte des ehemali- gen Gerichts Rodheim zum Landratsbezirk Nidda. Doch wurde diese Einteilung schon 1832 wieder geändert. Nunmehr wurden statt der Landratsbezirke in den Provinzen Kreise gebildet. Ihre Einteilung und weitere Veränderungen bis zur Gegenwart auf dem Gebiet des heuti- gen Kreises Gießen sind leicht aus der entsprechenden Karte abzule- sen. In Oberhessen waren es zunächst die sechs Kreise Gießen, Grün berg, Nidda, Friedberg, Alsfeld und Biedenkopf, die eingerichtet wur- den.

Eine kurze Unterbrechung dieser Entwicklung brachte in der Revolu- tionszeit von 1848 bis 1852 die Einrichtung von zehn Regierungsbezir- ken kleineren Umfangs. Dabei wurde die große Mehrzahl der Orte des Kreises dem Regierungsbezirk Gießen zugeteilt.

Lediglich vier Dörfer(Langd, Rabertshausen, Rodheim und Steinheim) kamen zum Regierungsbezirk Nidda, während 16 andere Orte(Bellers- heim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt, Grüningen, Holz- heim, Hungen, Inheiden, Langsdorf, Muschenheim, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Ober-Hörgern, Trais/Horloff und Utphe) dem Regierungs- bezirk Friedberg zufielen.

Ab 1852- nach dem Sieg der Reaktion- wurden diese Bezirksregie- rungen mit ihren Lokalparlamenten wieder abgeschafft, und in der Provinz Oberhessen richtete die großherzogliche Regierung elf Kreis- ämter, und zwar in Alseld, Biedenkopf, Büdingen, Friedberg, Gießen, Grünberg, Lauterbach, Nidda, Schotten, Vilbel und Vöhl ein. Dazu kamen 24 Gerichtsbehörden. Der Kreis Hungen, der von 1841 bis 1848 bestanden hatte, wurde nicht beibehalten.

Einige nicht unwesentliche Veränderungen brachte das Jahr 1866 mit dem preußisch-österreichischen Krieg um die Vorherrschaft im Deut- schen Bund. Alle drei in unserem Raum zusammentreffenden selbstän- digen Mittelstaaten, das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, das Kur fürstentum Hessen-Kassel und das Herzogtum Nassau standen dabei teilweise gegen den Willen ihrer Völker und Stände- auf der Seite der Gegner Preußens.

Nach dem schnellen Sieg Preußens bei Königgrätz, durch den unserer Heimat schlimme und lange Kriegsleiden erspart geblieben sind, wan- delte sich die politische Landschaft. Neben dem Königreich Hannover wurden auch Kurhessen, Nassau und die freie Reichsstadt Frankfurt von Preußen annektiert.

Hessen-Darmstadt als Staat südlich der Mainlinie blieb aus politischer Rücksichtnahme verschont; die nördlich des Mains gelegene Provinz Oberhessen entging der Annexion vor allem aus Rücksicht auf die mit der großherzoglichen Familie eng verwandten Herrscher in Rußland und England. Allerdings mußten Gebietsverluste hingenommen werden, die auch den Kreis Gießen betrafen, denn neben dem sog. hessischen

218