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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Im südlichen Kreisgebiet vom Pfahlgraben an, ungefähr entlang der Wieseck-Wetter-Wasserscheide bis ins Laubacher Waldrevier, finden wir um die Mitte des 16. Jahrhunderts(nach der 1548 erfolgten Tei- lung) die drei fast gleichgroßen Herrschaftsbereiche Solms-Braunfels, Solms-Laubach und Solms-Lich, untereinander nicht gerade verfeindet, aber doch nicht als einheitliches Territorium wirkend, zumal der Li- cher und der Laubacher Bereich kein geschlossenes Gebiet darstellte. Aber auch die Grafschaft Solms-Braunfels, die immerhin im Ur- sprungsland an der mittleren Lahn noch ihre starken Stützpunkte hat- te, konnte kein entscheidender Machtfaktor im mittelhessischen Raum werden.

Andererseits hat natürlich die Errichtung von kKkleinresidenzen im solmsischen Land als Folge der Zersplitterung, so in Hungen, Laubach und Lich- und- außerhalb des Kreisgebietes- in Assenheim, Braun- fels, Greifenstein und Rödelheim zur Ausbildung einer standesherrli- chen Kultur geführt, die sich in den Schlössern ebenso zeigt wie in der Ausstattung der Sakralbauten und den künstlerisch wertvollen Grabsteinen der verschiedenen Adelsfamilien innerhalb und außerhalb dieser Kirchen.

Klöster

Auch die klösterliche Kultur hatte im Kreis Gießen ihren Niederschlag gefunden. Doch waren die beiden Klöster im Gebiet des landgräflichen Amtes Grünberg der 1527 in Hessen eingeführten Reformation zum Opfer gefallen.

Das Kloster der Prämonstratenserinnen auf dem Wirberg war gegen die Mitte des 12. Jahrhunderts anstelle eines adeligen Burgsitzes in der heutigen Gemarkung Saasen errichtet worden. Es erlebte bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts eine gewisse Blüte und hatte reichen Grundbesitz, vor allem im Amt Grünberg und im Busecker Tal. In Grünberg war sicher schon bald nach der Erbauung der Burg das An- toniterhaus entstanden und Mönchen übertragen worden, die nach der Regel des heiligen Augustin lebten. Auch dieses Kloster hatte reichen Grundbesitz, u. a. im Wieseck- und Wettertal. Einen Höhepunkt in sei- ner Entwicklung brachte 1489 der Erwerb sämtlicher im althessischen Gebiet liegenden Güter des Klosters Arnsburg. Der Gebäudekomplex der Antoniter gehört- trotz mancher Umbauten- zu den Kostbarkei- ten des mittelalterlichen Landstädtchens Grünberg, und der Kreis Gie- ſen war nicht schlecht beraten, als er- ebenso übrigens wie die Uni- versität Gießen- das Antoniterkreuz als Teil seines Wappens aufnahm.

Beide Stiftungen hob Philipp der Großmütige 1529 auf und überwies ihre Güter und Gefälle zunächst an die Universität Marburg, von wo sie dann im 17. Jahrhundert an die Universität Gießen übergingen.

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