Auch die Gerichtsbezirke des Lumdatales sind- als Merenberger Be— sitz im 13. Jahrhundert nachgewiesen- Teil der alten Gleiberger Grafschaft gewesen, der somit ein wesentlicher Teil des Kreises Gie— ſBen zuzurechnen ist.
Die Herren von Hagen und Mönzenberg
Eine andere Entwicklung nahmen die Verhältnisse im Gebiet des alten Gaues Wettereiba südlich des Pfahlgrabens und der Wasserscheide Lahn/ Main. Hier hatten sich in der Grafschaft Malstatt(so genannt nach der ursprünglichen Gerichtsstätte bei Bauernheim in der Wet- terau) die Grafen von Nürings im 12. Jahrhundert eine gewisse Machtstellung geschaffen. Dieser Herrschaftsbereich war an die Stelle der alten konradinischen Wetteraugrafschaft getreten. Doch ehe die Nürings ihre Macht zu einer eigenständigen Herrschaft ausbauen und sich vom staufischen Kaiserhaus lösen konnten, starb diese Familie aus.
Ihre Rechtsnachfolger wurden größtenteils die Herren von Hagen (Dreieich) und Münzenberg, ein machtvolles Ministerialengeschlecht im Dienste der Staufer(Kuno I. von Hagen-Münzenberg war von 1162 bis 1168 Reichskämmerer), mit reichem Grundbesitz im Rhein-Main-Ge- biet und in der Wetterau. Mit der Erbauung der mächtigen Burg Mün- zenberg(um 1156) und der Stiftung des Benediktinerklosters Altenberg (1151), das dann 1174 in die Burg Arnsburg verlegt und mit Zister- ziensern besetzt wurde, hat sich dieses Geschlecht in die Geschichte der nördlichen Wetterau eingeschrieben.
Doch schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts(1255) ging der Besitz der Münzenberger an die Herren von Falkenstein über, die aus dem bedeutenden Reichsministerialengeschlecht von Bolanden aus der Pfalz stammten und sich nach der Burg Falkenstein am Donnersberg nann- ten.(Die Burg Falkenstein im Vordertaunus ist erst eine Neugründung des 13. Jahrhunderts, die der neuen Machtstellung dieser Familie im Wetterau-Taunus-Gebiet ihre Entstehung verdankt.)
Die Landgrafen von Hessen
Eine dritte bedeutsame Kraft in der Zeit der beginnenden Territorial- bildung des hohen Mittelalters, die im Gebiet des heutigen Kreises Gießen Fuß faßte, waren die Landgrafen von Thüringen bzw.- seit der Mitte des 13. Jahrhunderts- von Hessen. Als gegen Ende des 12. Jahrhunderts die ersten Kämpfe zwischen dem thüringischen Landgra- fen Ludwig und dem Mainzer Erzbischof ausbrachen, die den fast 300jährigen Kampf um die Landeshoheit in unserem Raum einleiteten, erscheint 1186 urkundlich die Errichtung der landgräflichen Feste Grünberg. Wolfgang Müller hat in seiner fundierten Arbeit über die
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