gehörigkeit zur Ehrhardt-Brigade u. U. ein Femefall wäre. Die Sicher- heit, mit der obiger Kommentar das Vorliegen von Mord behauptet, ist allerdings unbegründet und kann nur dem ohnmächtigen und— teilweise- berechtigten Zorn eines demokratisch engagierten Journali- sten zugeschrieben werden, der während des laufenden Prozesses die Verschleierungstaktik und die verschwörerischen Verbindungen rechts- gerichteter Kreise zu beobachten jeden Tag Gelegenheit hatte. 42
Endlich ist es dann soweit: Am 3.3.1927 meldete der Generalstaats- anwalt in Darmstadt seinem Justizminister, daß am 22. März 1927 vormittags 8.30 Uhr vor dem Schwurgericht in Gießen die Hauptver- handlung gegen Schwing und v. Salomon wegen Mordversuchs und ge- gen Heinz wegen Anstiftung hierzu beginnen werde. Es wurden zu- nächst 70(¹) Zeugen geladen. Für die Verhandlung waren fünf Tage vorgesehen4³.
4.3 Der Verlauf des Prozesses
Unter starkem Andrang des Publikums begann am Dienstag, dem 22.3.1927 der mit Spannung erwartete Prozeß. Das Gerichtsgebäude war streng abgesperrt; Zutritt war nur mit Eintrittskarten möglich, die seit über einer Woche vergeben waren. Neben ca. 200 Zuhörern waren Pressevertreter fast aus dem gesamten Reichsgebiet im Ge-— richtssaal.
Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Cramer, Beisitzer waren die Landgerichtsräte Dr. Brill und Küchler. Die sechs Geschworenen wa- ren Handwerker, Angestellte und Arbeiter aus kleinen Orten Oberhes- sens44. Die Anklage vertrat der Staatsanwalt, Justizrat Weidemann. Als Verteidiger fungierten: Für den Angeklagten Schwing: Rechtsan- walt Luley, Gießen, für den Angeklagten v. Salomon: Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune4ꝰ aus Göttingen, für den Angeklagten Heinz: Rechts- anwalt Schlink, Gießen. Als Vertreter des Oberreichsanwalts in Leip- zig wohnte Amtsgerichtsdirektor Dr. Eschenauer der Verhandlung bei; ferner war ein Vertreter des Berliner Polizeipräsidenten anwesend.
42 Der geheimnisvolle Tod Tackenbergs geschah am 16.10.1925 am Bahndamm nahe Nieder-Weisel. Die Todesursache ist nicht ein- deutig geklärt worden, doch nahm man Unglücksfall an. Nach der Freigabe des Leichnams durch das Amtsgericht Butzbach wurde Tackenberg in Bad Nauheim beerdigt.(Mitt. des Stadtar- chivs Bad Nauheim v. 26.9.73).
43 Daraus wurden dann 8 Prozeßtage; außerdem wurde noch ein freier Tag vor den Plädoyers eingelegt. 44 Die Namen der 6 Geschworenen konnte ich nicht ermitteln.
45 Luetgebrune schrieb das Buch"Wahrheit und Recht für Feme, Schwarze Reichswehr und Oberleutnant Schulzu(München 1928).
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