1 Chriſtliche Leich⸗Predigt/
mich i. Buch. Moſes 4ꝛ v. ʒ Ich muß ſeyn/ wie eiuer der ſeiner Kinder gar beraubet iſt/ Cap. 43. v. 14. Traurig und clend ſtehet es/ wann die Kinder der Waiſen Klag fuͤhren muͤſ⸗ ſen: Mein Vatter und meine Mutter verlaſſen mich/ Pfalm. 27. v. 10. Wir ſind Weiſen und haben keinen Vatter/ unſere Muͤtter find wie Witwen/ Klag⸗Lieder 8. v. 3. Noch viel trauriger und klglicher ſichet es/ wann die betruͤbten Ge⸗ dancken auffſteigen/ daß man auch von Gott einſam und ver⸗ laſſen ſey/ wie ſich die geiſtliche Zion beym Propheten hoͤren laͤſſet: Der HErꝛ hat mich verlaſſen/ der HErt hat mein ver· geſſen/ Eſai. 49. v. 14. und die elende Gefangene zu Babel die Klag fuͤhren: Er hat meine Wege vermauret mit Werck⸗ ſtuͤcken/ und wann ich gleich ſchreye und ruffe/ ſo ſtopffet er die Ohren zu vor meinem Gebett. Er hat ſich mit einer Wol- cken verdeckt/ daß kein Gebett hindurch kunte/ Klag⸗Liderz. das iſt dann wol ein trauriger Zuſtand der Einſam⸗
eit.
Was iſt aber bey dieſem Zuſtand vor Troſt zu ſchopf⸗ fen? wie hat ſich ein xinſames Hertz ʒu bezeigen? Ach es hat zu gedencken/ daß ja beſſer ſey ein einſamer Chriſt in ſeiner Froͤm⸗ migkeit/ als ein geſelliger Menſch in Gottloſigkeit. Quo ma- jor eſt populus, cui miſcemur, hinc periculi plus eſt, Je mehr die Leuthe ſeyn/ mit welchen wirʒu thun haben/ jegroͤſſer iſt die Gefahr darinn wir ſchweben/ ſagt der weiſſe Heyd Seneca. Daß dannenhero nicht unbillig nach den alten Reimen geſagt wird: Jelaͤnger/ je lieber ich bin allein/ dann Treu und Lieb iſt worden klein. Iſt ein Mann in Einſamkeit/ in derſelben kan er ſein Gebett deſto unverhinderter zů GOtt ſchicken/ und gedencken: Der H E RR hat ſein Luſt an mir/ der iſt mein liebſier Bule/ Eſa.&ꝛ. v4.ʒ. Klaget das Web ͤber
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