Druckschrift 
Hertzens-Angst, Auß dem XXV. Psalm. v. 16. 17. 18. In gehaltener Trauer- Trost- und Gedächtniß-Predig, Bey Christlicher Leich-Begängniß Der Wol-Edlen, Groß- Ehr- und Tugendreichen Frauen Elisabeth Catharinen Tülßnerin, Geborner Antoniin, Deß Hoch-Edlen, Vest- und Hochgelahrten Herrn Gregorii Tülsneri Der Rechten vornehmen Doctoris, und weitberühmten Professoris, auch Fürstl. Hessen Darmbstadischen wolverdienten Rahts, [et]c. itzo hochbetrübten Wittibers, Liebsten Ehgattens : Als Sie den 6. Junii, Anno 1670. zu Giessen in Christo ihrem Erlöser selig entschlaffen, und folgenden 10. Tag desselben Monats, Christlichem Gebrauch nach, ansehnlich zur Erden bestattet worden / Erklärt in der Pfarr-Kirch daselbsten von Johanne Nicolao Mislero, der H. Schrifft Doctore, Professore, Mit-Predigern und Superintendenten, [Henrico Phasiano, Johannes Weiss, Hartmannus Jacobi, Petrus Haberkorn, Anton. Henricus Möllenbecius, Laurentius Strauß, H.R., Kilianus Rudrauffius, Friedrich Nitzschke, Henricus Petrus Haberkorn, Clas Christoff Lüncker, Johann Philipp Gießwein, Henrich Wilhelm Graßhof, Meno Hannekenius, Ludivig Gottfried Hoffmann, Georgius Hector Mentzerus, Balthasar Mentzerus, Meno Reiche, Viduus, Philippus Ludovicus Hannekenius, Mentzerus Johannes Ludovicus]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4 Chriſtliche Leichpredigt/ len/ daß die Iſracliten ploͤtzlich ʒerſtoͤret werden ſollen/ undnicht einmal Zeit haben Trauer⸗Kleider anzulegen/ ſondern in ihrem Schmuck darvon ins Elend ʒiehen muͤſten; Jedoch dem Pro⸗ pheten nicht verbotten war/ heimlich ſein Web zu beklagen. Dann/ wie natuͤrlich iſt das Weinen: ſo natuͤrlich die Ver⸗

ſtorben Liebgeweſene zu beweinen/ nach dem das Sirach ſaget: Wann einer ſtirbt/ ſo beweine und beklage ihn/ du ſolt hertzlich betrubt ſeyn/ nach dem er geweſt iſt/ cap. 38. v.6.17.

Solch Trauer⸗Klag muß anitzo auch fuhren der gegen⸗ wertige Hertzbetruͤbte Wittiber uͤber ſeinen Augen⸗Luſt/ ſeinen Hertzlieben Ehgatten/ eine vornehme Gottſelige Matron. Es beklagen dieſelbe die Nechſt⸗hinterlaſſene/ als ihre Liebgeweſene Freundin. Es beklagen dieſelbe Nohtleydende/ welchem ſie die puͤlffliche Hand gebotten/ und gutes gethan hat. Wir mit den⸗ ſelben beklagen Sie als in Mit⸗Glied unſerer Kirch⸗ Verſam̃⸗ lung/ hatten derſelben laͤngeres Leben wuͤnſchen mogen.

Rber/ was hifffts klagen? Was hiffft Ach und Wch ſchreyen? wie es Goit gefallen/ ſo muß es geſchehen/ und al⸗ ſo muß es auch uns gefallen; Sprechen demnach mit David: Siche hier bin ich/ Er machs mit mir wie es ihm wol grfallet/ 2. Buch Samuel. 1. v. 26. Get/ der ſie erſchaffen und ge⸗ geben/ hat auch dieſe unſere Chriſtliche Mit⸗Schweſter wie⸗ derum̃ hinweg genommen; Beroſelben hinterlaſſenen Leich⸗ nam haben wir itzo bey Chriſt⸗anſehnlicher Leich⸗Proceſſion anhero begleitet/ furters in die Erden/ da unſer aller Ruhſtatt ſeyn wird/ verſetzen zu laſſen/ zu ruben biß an den lieben Juͤng⸗ ſten⸗Tag.

Damit wir aber bey dieſer Trauer⸗Gelegenheit nicht oh⸗ ne Troſt von einander gehen moͤgen ſind wir entſchloſſen etwas auß Gottes Wortwider den traurigen Anblick deß

e

.