21 Chriſtliche Prophetiſches Wort/ wie wol thaͤten wir/ wenn wir darauff achteten? Denn wir wůrden daraus mit leichter Muhe das prognoſticon ſtellen eönnen und lernen/ daß der Gerechten Tod uns nichts gutes bedeute/ ſondern bey derſelben Abſterben⸗ das Ungluck gleichſam ſein Angeſicht ſehen laſſe/ daß es nahe ſeye/ wie der Prophet in ſeiner Sprach es aus⸗ drůcket. So hat man dann Urſach uͤber den Todesfall der Gerechten zutrauren/ und dabey zu gedencken/ wie durch wahre Buſſe die dadurch angedrohete Straffen etwa abzuwenden· Applica. Nun deſſen werden wir auch inſonderheit anjetz erinnert. Wir tib ad. B. wiſſen/ wie in weniger Zeit etliche tapffere Maͤnner/ durch frůͤhzeiti⸗ defun- gen Todt/ oder ſonſten/ abgangen/ worunter wir auch nicht unbillich cum. den Seel. Herrn M. Runckel zehlen. Dann derſelbe war ein gerechter phil.z/ o. in Chriſto erfunden/ nicht habend ſeine Gerechtigkeit⸗ die aus dem Geſet/ ſondern die durch den Glaubenan Chriſtum kommt/ nemlich die Gerechtigkeit die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Er bekannte gern und offt/ daß er des Ruhms mangele/ den er vor Gott haben ſolte/ und ſuchte deßwegen eine beſſere Gerechtigkeit als der Matth. 5. Phariſeer und Schrifftgelehrten/ welche kommt aus Glauben in Glauben/ wie denn geſchrieben ſtehet: Der Gerechte Rom. 1/17. wird ſeines Glaubens leben. Dieſe Lehre hatte er ſolieb/ daß er auff mein Einrathen ein vor etlichen Jahren in Fransoͤſiſcher Sprach heraus gekommenes Tractaͤtlein/' ouverture de I Epitre de S. Paul. aux Romains par ł explication du verſet 37. du Chapitte III. AAm- ſterdam Anno 168ſ. worinnen vorgegeben wird/ als handelte S. Pau- lus in der Epiſtel an die Roͤmer nicht von der Rechtfertigung/ zu wi⸗ derlegen/ ſich vorgenommen/ daran ihn aber der Todt verhindert. Es ruhmete ſich auch unſer Seel. Herr Runckel nicht nur allein des Glanbens und der Gerechtigkeit„ſondernzelgte auch ſeinen lebendigen Glanben durch die Wercke/ und alſo gehoͤret er gleichfals unter die H- Leute/ von welchen Jeſaias ſagt ⸗ daß ſie auffgerafft werden · Erwar vdn fromm und gottsffurchtig jagte nach der Heiligung/ wandelte vor Gott und bewieſe dem Neben⸗Menſchen alle Liebes· Dienſte/ nicht mit bloſen leren Worten/ ſondern in der That/ wie lebendige Zeugnuͤſ⸗ ſen deſſen beygebracht werden koͤnten. Allein weil der liebe Mann acht hatte auff ſeine Almoſen/ daß er ſie nicht gab vor den Leuten/ wie
NMattb · s. die Heuchler/ von ihnen geſehen zu werden/ und ließ ſeine lincke nicht


