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Geschichte von Gießen und der Umgegend von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1265 : auf Grund der Materialsammlung des Localvereins für die Geschichte von Gießen zsgest. / von Dr. F. Kraft, Hofgerichts-Präsident
Entstehung
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mitten durch die jetzige Stadt Gießen floß,) ſo daß alſo der öſtliche Theil der jetzigen Gemarkung derſelben in alter Zeit mit Wald bedeckt war, der nach und nach mit Feld angerodet wurde. Die Triebviertel wurden erſt im 17. Jahrhundert aus dem Wald unter den Eichen angerodet; das Land zwiſchen dem Wald und Nahrungsberg iſt theils noch, theils war es auf ſtädtiſchem Waldboden angerodetes Eigenthum der Stadt. Ein Theil des Feldes auf der Oſtſeite der Stadt hieß ſchon früher (vgl. Zinsregiſter von 1553) und heißt noch das Rodland und war dem Rodzehnten unterworfen.³) Die Bezeichnung der Gewannen: auf der Leiſen⸗Heide, im Hegſtrauch, im Scheidches⸗ Trieſch führen auf ſpätere Anrodnungen.

Im Jahr 1314 verpfändet Schöff Konrad anf dem Keller von Gießen 16 Morgen Ackerland vor dem Wald, das Neu⸗ rod(novalia) oderWaltlant genannt wurde. 4) In ähnlicher Weiſe kommen öfter Andeutungen von Anrodungen des Waldes vor. In 1325 erhielt Gerhard von Göns von Hartrad von Merenberg 30 Morgen im Wieſecker Wald um die Stelle, die bei der Struth genannt wird, zu Erb-Burglehn auf Gleiberg, eine Verleihung, die ſich offenbar auf Rodland am Gießener Stadtwald bezieht.)

Die Gemarkung des Dorfes Selters nahm die ganze Südſeite der jetzigen Gemarkung Gießen ein. Hier war die

²) In der Mühlgaſſe in der Neuſtadt trieb die Wieſeck eine Mühle.

³) Die Lagen im Zinsregiſter beſchreiben ſich:vom Schlag an bis an den Hegſtrauch und das Rodeland undvon der guten Leut⸗Bach bis an das Rodeland um das Weyer.

) Senkenberg, Sammlung ungedr. Schriften, Thl. 4, S. 244.

) Wenck a. a. O. Bd. 3, S. 310. Es iſt zwar im und am Stadt⸗ wald keine Lage, welche den Namen Struth führt, mehr bekannt; aber unter dem Wieſecker Wald wurde damals immer der jetzige Stadtwald verſtanden und da Struth einen feuchten Wald bezeichnet, ſo kann das ſpäter im Rod benannte Gelände, namentlich der Wieſen⸗ grund, wohl dieſen Namen früher geführt haben. Auf das Dorf Dorf Alten⸗Struth kann dte Urkunde nicht bezogen werden, da von einem locus, qui teutonice dicitur by der Strut, die Rede iſt.

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