6. Das wäre denn die Urgeschicht' der hohen Schul' zu Giessen! Was weiter folgt, wer hört es nicht mit Jubelschall gepriesen: wie Ludwigs treue Liebesmüh sie Marburg schuf zum Trutze, wie wohlgehegt sie spät und früh in seines Hauses Schutze.
7. Auch sonst wohl hat man allerhand gehört und auch gelesen, was Wunder sie dem Hessen- land drei Saecula gewesen. Wohlan, den alten ächten Sinn sie fest und treu bewahre, dem Vater- land zum Vollgewinn noch viele hundert Jahre!
Bruno Sauer.
Rede auf die akademische Jugend.
IV.
1. Was die Welt morgen bringt, ob sie mir Sorgen bringt, Leid oder Freud? Komme, was kommen mag, Sonnenschein, Wetterschlag, morgen ist auch ein Tag, heute ist heut!
2. Wenns dem Geschick gefällt, sind wir in alle Welt morgen zerstreut! Drum lasst uns lustig sein! Wirt, roll das Fass herein! Mädel, schenk ein, schenk ein! Heute ist heut!
3. Ob ihren Rosenmund morgen schön Hilde-
gund anderen beut— darnach ich nimmer frag, das schafft mir keine Plag, wenn sie mich heut nur mag— heute ist heut!
4. Kling klang, stosst an und singt! Morgen vielleicht erklingt Sterbegeläut! Wer weiss, ob nicht die Welt morgen in Schutt zerfällt! Wenn sie nur heut noch hält! Heute ist heut!
Rede auf die Stadt Giessen.
V.
1. Stosst an, Giessen soll leben, Hurrah hoch! Die Philister sind uns gewogen meist, sie ahnen im Burschen, was Freiheit heisst, frei ist der Bursch.


