VI. Die nationalökonomiſchen Vorleſungen.
Es iſt das unbeſtrittene Verdienſt des bahnbrechenden Nationalökonomen Karl Heinrich Rau, der in Heidelberg von 1822— 1870 das Fach der Staatswiſſenſchaften vertrat, daß in Deutſchland mit der alten kameraliſtiſchen Methode endgültig gebrochen, die Volkswirtſchaftslehre von technologiſchem und naturwiſſenſchaftlichem Beiwerk befreit wurde, und der nationalökonomiſche Lehrſtoff eine neue und rationelle Ein⸗ teilung erfuhr. Nach dem Vorgange von Rau's„Lehrbuch der politiſchen Okonomie“, deſſen erſter Band 1826 erſchien, wird an den deutſchen Univerſitäten die Nationalökonomie in drei Hauptabſchnitte gegliedert und in drei entſprechenden Vor⸗ leſungen behandelt. Dieſe Vorleſungen heißen:
I. Die theoretiſche Nationalökonomie, auch allgemeine Nationalökonomie oder Nationalökonomie Teil I genannt,
II. die Volkswirtſchaftspolitik, auch ſpezielle National⸗ ökonomie oder Nationalökonomie Teil II betitelt, und
III. die Finanzwiſſenſchaft.
Die theoretiſche Nationalökonomie iſt Wirtſchaftsphiloſophie. Sie unterſucht die volkswirtſchaftlichen Vorgänge, Güter⸗ erzeugung, Güterverkehr, Einkommen und Güterverbrauch (Produktion, Zirkulation, Diſtribution und Konſumption), ſucht die entſprechenden Erſcheinungen feſtzuſtellen und nach Urſache und Wirkung zu ergründen. An der Hand der Wirt⸗ ſchaftsgeſchichte und geſtützt auf die Tatſachen der Statiſtik


