Druckschrift 
Prüfungsordnung für die Studierenden der Pädagogik im Großherzogtum Hessen : vom 29. August 1903 / [erlassen vom Großherzoglichen Ministerium des Innern am 20. August 1903]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Fähigkeit zu ſicherer überſetzung der gewöhnlichen Schriftſteller ins Deutſche und zu einer von gröberen ſprachlich⸗ſtiliſtiſchen Verſtößen. freien ſchriftlichen Darſtellung in der fremden Sprache.

§ 12. Prüfung in der Geſchichte.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Ge⸗ ſchichte nachweiſen wollen, wird gefordert:

Eine auf geordneten geographiſchen und chronologiſchen Kennt⸗ niſſen beruhende ſichere Üüberſicht der weltgeſchichtlichen Begebenheiten, beſonders der deutſchen, preußiſchen und heſſiſchen Geſchichte bis auf die neueſte Zeit; genauere Bekanntſchaft mit der Entwickelung des Verfaſſungsweſens in Deutſchland; gründliche Kenntnis der Ver⸗ faſſung des Deutſchen Reichs und des Großherzogtums Heſſen; über⸗ ſichtliche Kenntnis der wichtigſten wirtſchaftlichen und geſellſchaftlichen Verhältniſſe im Mittelalter und in der Neuzeit; Vertrautheit mit der hiſtoriſch⸗-politiſchen Geographie; Bekanntſchaft mit einigen der be⸗ deutendſten neueren vaterländiſchen Geſchichtswerke.

§ 13. Prüfung in der Geographie.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Geo⸗ graphie nachweiſen wollen, iſt zu fordern:

Sicherheit in den Grundlagen der mathematiſchen und phyſi⸗ kaliſchen Geographie; eingehende Kenntnis der politiſchen Geographie, des Ganges der großen Entdeckungen und der Richtungen des Welt⸗ handels; Fähigkeit in der Handhabung von Globen, Reliefs und Appa⸗ raten zur mathematiſchen Geographie, ſowie Fertigkeit im Entwerfen von Karten und Skizzen.

§ 14. Prüfung in der Mathematik.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Mathe⸗ matik nachweiſen wollen, iſt zu fordern:

Sichere Kenntnis der Elementarmathematik und Bekanntſchaft mit der analytiſchen Geometrie der Ebene, beſonders mit den Haupt⸗ eigenſchaften der Kegelſchnitte, ſowie mit den Grundlehren der Diffe⸗ rential⸗ und Integralrechnung.

§ 15. Prüfnng in der Phyſik.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Phyſik nachweiſen wollen, iſt zu fordern:

Kenntnis der wichtigeren Erſcheinungen und Geſetze aus dem ganzen Gebiete dieſer Wiſſenſchaft, ſowie die Befähigung, dieſe Ge⸗ ſetze mathematiſch zu begründen, ſoweit es ohne Anwendung der höheren Mathematik möglich iſt; Bekanntſchaft mit den für den Schul⸗ unterricht erforderlichen phyſikaliſchen Inſtrumenten und übung in ihrer Handhabung.