§ 16.
2. Für Griechiſch und Lateiniſch(klaſſiſche Philologie)
iſt
a) von den Lehrern der mittleren und unteren Klaſſen vor Allem ſichere Kenntniß der Grammatik zu fordern. Schriftſteller wie Homer, Xenophon, Virgil, Livius, Cicero, Cäſar müſſen ſie mit Ausnahme be⸗ ſonders ſchwieriger Stellen ohne erheblichen Anſtoß überſetzen können. Das Wichtigſte aus der alten Literatur und Geſchichte, aus den Alter⸗ thümern, der Mythologie und aus der antiken Metrik muß ihnen min⸗ deſtens ſoweit bekannt ſein, als es zur Erklärung der Schriftſteller nöthig iſt.
b) Für die Lehrfähigkeit in allen Klaſſen wird außer einer wiſſen⸗ ſchaftlichen Kenntniß der griechiſchen und lateiniſchen Grammatik gründ⸗ liches Studium und Beleſenheit in den Klaſſikern beider Sprachen, be⸗ ſonders denjenigen, welche in der Prima geleſen werden, allgemeine Be⸗ kanntſchaft mit der Geſchichte und dem gegenwärtigen Standpunkt der Philologie, Vertrautheit mit der philologiſchen Methode, ſowie Sicherheit und Fertigkeit im mündlichen und ſchriftlichen Gebrauche der lateiniſchen Sprache verlangt. Mit der griechiſchen und römiſchen Literaturgeſchichte, den Alterthümern, der Mythologie und der Metrik muß ſich der Aſpirant eingehend beſchäftigt haben, wenn auch ſpecielle Kenntniß aller Theile nicht von Jedem zu verlangen iſt.
Wenn der Aſpirant für dieſe Unterrichtsſtufe auch Kenntniſſe in der Archäologie der Kunſt und im Sanskrit nachweiſen kann, ſo iſt dies im Prüfungszeugniſſe zu bemerken.
c) Für die Prüfung im Sanskrit wird eine wohlbegründete Kenntniß der Formenlehre der Sanskritſprache, ſowie einige Fertigkeit im Ueberſetzen und Erklären leichter Stellen aus einem indiſchen Epos er⸗ fordert.
d) Eine geſonderte Prüfung in der lateiniſchen Sprache findet nur bei Aſpiranten ſtatt, welche in der neueren Philologie ihre Lehrfähigkeit für alle Klaſſen darthum wollen. Dieſelben müſſen mit der geſchichtlichen Entwickelung der lateiniſchen Sprache bekannt ſein und aus der römiſchen Literaturgeſchichte vorzugsweiſe die Geſchichte der Komödie und die Geſchichte der letzten Literaturperiode lennen.


