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Prüfungsordnung für das höhere Lehramt im Großherzogtum Hessen : vom 9. Dezember 1899 / Ernst Ludwig
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in England und Frankreich, beſonders aber in Deutſchland; gründliche Kenntniß der Verfaſſung des Deutſchen Reiches und des Großherzogthums Heſſen; Bekanntſchaft mit einigen der bedeutendſten neueren vaterländi⸗ ſchen Geſchichtswerke;

b. für die erſte Stufe überdies: Genauere Bekanntſchaft mit dem Entwickelungsgange der allgemeinen Weltgeſchichte und Verſtändniß für den Zuſammenhang und die inneren Beziehungen der Ereigniſſe; Darlegung eingehender, auch die Entwickelung der Verfaſſungs⸗ und Kulturgeſchichte einſchließender Kenntniſſe bezüglich des Alterthums in der griechiſch⸗römiſchen, bezüglich des Mittelalters, der neueren und der neueſten Zeit hauptſächlich in der Geſchichte Deutſchlands; Kenntniß und Verſtändniß der wichtigſten wirthſchaftlichen und geſellſchaftlichen Verhältniſſe in Mittelalter und Neuzeit; Bekanntſchaft mit den für die Hauptgebiete wichtigſten Geſchichtsquellen und den Grundſätzen für deren Verwerthung; allgemeine Bekanntſchaft mit den Hülfsmitteln der Geſchichtswiſſenſchaft; durch eigenes Studium gewonnene Bekanntſchaft mit einigen der bedeutenderen Werke neuerer Geſchichtsdarſtellung;

c. für jede Stufe daneben: Vertrautheit mit der hiſtoriſch⸗ politiſchen Geographie.

§ 19. Prüfung in der Geographie.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Geo⸗ graphie nachweiſen wollen, iſt zu fordern

a. für die zweite Stufe: Sicherheit in den Grundlagen der mathematiſchen und phyſikaliſchen Geographie; eingehende Kenntniß der politiſchen Geographie, des Ganges der großen Entdeckungen und der Richtungen des Welthandels;

b. für die erſte Stufe: Vollkommene Vertrautheit mit den Lehren der mathematiſchen Geographie und deren Beweiſen, ſoweit ſie ſich aus der Elementarmathematik ableiten laſſen; genaue Kenntniß der phyſikaliſchen und geologiſchen Verhältniſſe der Erdoberfläche und Verſtändniß phyſikaliſcher und geologiſcher Karten; zuſammenhängende Kenntniß der Kartenkunde, insbeſondere in ihrer engen Beziehung zur Entwickelung der Geographie; eingehende Vertrautheit mit der politiſchen Geographie der Gegenwart, der Geſchichte der Entdeckungen und den wichtigſten Thatſachen der Ethnographie;

c. für jede Stufe daneben: Fähigkeit in der Handhabung von Globen, Reliefs und Apparaten zur mathematiſchen Geographie, ſowie Fertigkeit im Entwerfen und im Gebrauche von Karten.

§ 20. Prüfung in der Reinen Mathematik.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Reinen Mathematik nachweiſen wollen, iſt zu fordern

a. für die zweite Stufe: Sichere Kenntniß der Elementar⸗ mathematik und Bekanntſchaft mit der analytiſchen Geometrie der Ebene, beſonders mit den Haupteigenſchaften der Kegelſchnitte, ſowie mit den Grundlehren der Differential- und Integralrechnung;