7 Semeſtern nicht zu erreichen. Im Intereſſe der Studierenden muß dringend davor gewarnt werden, die militäriſche Dienſtzeit, während deren erwieſenermaßen an ernſte wiſſenſchaftliche Arbeit nicht zu denken iſt, in die Studienzeit einzurechnen. Weiter iſt es dringend zu wünſchen, daß auch das letzte Semeſter vor dem Examen noch an der Univerſität zugebracht und insbeſondere die Teilnahme an den Seminarübungen bis zuletzt fortgeſetzt werde. Mancher Mißerfolg erklärt ſich aus der verwerflichen Methode, das letzte Semeſter gar nicht mehr als eigentliches Studienſemeſter an⸗ zuſehen, ſondern lediglich zum mechaniſchen Einlernen zu benutzen.
3. Es iſt notwendig, den Unterſchied zwiſchen dem Lernen auf der Schule und dem akademiſchen Studium von vornherein ins Auge zu faſſen. Das Ziel des akademiſchen Studiums iſt nicht bloß, ſich beſtimmte Stoffe anzueignen, ſondern die Grundlagen zu
ſelbſtändigem Verſtehen und beſtimmter Geſamtanſchauung zu
legen. Seine Arbeit beſteht daher nicht allein in der Aufnahme des gehörten Stoffes, ſondern in eigenem Suchen und Leſen. Wir warnen alſo vor allem vor der Praxis, nur nach Kollegien⸗ heften zu arbeiten, empfehlen vielmehr dringend, immer auch Bücher, und zwar nicht nur Lehrbücher, ſondern auch Darſtellungen, zu Rate zu ziehen. Wir warnen aber auch davor, durch unrichtige Verteilung des Lernſtoffes die mittleren Semeſter zu ſtark mit Vorleſungen zu belaſten, wodurch die Gründlichkeit des Studiums leiden muß. Nur bei richtiger Verteilung der Vorleſungen iſt es möglich, die Verarbeitung des in den erſten Semeſtern aufge⸗ nommenen Stoffes auch durch die mittleren und letzten Semeſter fortzuſetzen. Eine ſogenannte Repetition im letzten Semeſter kann dieſe eigene Arbeit nicht erſetzen, zumal wenn ſie fern von der Univerſität zu Hauſe vorgenommen wird. Denn nur durch Ein⸗ gehen in das Einzelne kann der Reiz wiſſenſchaftlichen Nachdenkens geweckt werden; und bei dem inneren Zuſammenhang der Wiſſen⸗ ſchaft dient die an einem Punkt gewonnene Sicherheit immer auch dem Verſtändnis des Ganzen.
4. Um eine gründliche Kenntnis der heiligen Schrift zu gewinnen, muß jeder Studierende im Laufe ſeiner Studienzeit alle Hauptbücher des Alten und das Neue Teſtament im Urtext geleſen haben. Das kann teils durch ſogenannte kurſoriſche Lektüre (mit Hilfe von Grammatik und Lexikon, während deutſche Über⸗ ſetzungen erſt nach erreichtem Verſtändnis des Abſchnittes zur Kontrolle der eigenen Arbeit herangezogen werden dürfen),, teils durch exegetiſche Vorleſungen und Studien unter fleißiger
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