MUniverſität Gießen.
Anleitung zum Studium der Theologie.
Es iſt für das akademiſche Studium von beſonderem Wert, daß der Studierende von Anfang an einen klaren Einblick in den Gang des Studiums und in die zweckmäßige Auswahl der Vorleſungen beſitze. Er wird dadurch vor Mißgriffen und Vergeudung ſeiner Zeit bewahrt werden. Die Fakultät giebt daher die nachfolgenden Geſichtspunkte zur Beachtung. Ihre weitere Ausführung und Begründung erfolgt in der Vorleſung über Einführung in das theologiſche Studium, die zu hören in jedem Sommerſemeſter Gelegenheit gegeben iſt. Ueber die von der Fakultät in regelmäßigem, drei⸗ bezw. vierſemeſtrigem Turnus ge⸗ haltenen Hauptvorleſungen giebt die Anlage(Überſicht u. ſ. w.) Auskunft.
1. Die Grundlage des theologiſchen Studiums iſt das Studium der heiligen Schrift Alten und Neuen Teſtaments. Es iſt daher not⸗ wendig, daß jeder Studierende, um eine gründliche Kenntnis der heili⸗ gen Schrift zu gewinnen, im Laufe ſeiner Studienzeit alle Hauptbücher des Alten und das ganze Neue Teſtament im Urtext geleſen habe. Das kann teils durch ſogenannte kurſoriſche Lektüre(mit Hilfe von Grammatik und Lexikon, während deutſche Überſetzungen erſt nach er— reichtem Verſtändnis des Abſchnittes zur Kontrolle der eigenen Arbeit herangezogen werden dürfen), teils durch exegetiſche Vorleſungen und Studien unter fleißiger Benutzung der Kommentare geſchehen. Namentlich in der erſten Hälfte der Studienzeit muß in jedem Semeſter ein alt⸗ und ein neuteſtamentliches Exegetikum gehört werden. Dabei ſollte jeder Stunde eine gründliche Vorbereitung mit Lexikon und Gram⸗ matik vorangehen. Im Allgemeinen empfiehlt es ſich dabei, von leich⸗ teren exegetiſchen Vorleſungen wie Geneſis oder ſynoptiſchen Evangelien, Apoſtelgeſchichte und katholiſchen Briefen zu ſchwierigeren wie Jeſaia, Pſalmen und kleinen Propheten oder Johannesevangelium, Pauliniſchen Briefen, Hebräerbrief und Apokalypſe fortzuſchreiten. Wenn jedoch eine


