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[Drittes mittelrheinisches Turnfest und zweites Sängerfest des deutschen Sängerbundes am 3., 4. und 5. August 1862] / der Fest-Ausschuss
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Am 3., 4. und 5. Auguſt d. J. ſoll das dritte mittelrheiniſche Turnfeſt, verbunden mit dem zweiten Sängerfeſt des deutſchen Sängerbundes in unſern Mauern begangen werden. So hat die Wahl der mittelrheiniſchen Turner und das ⸗Loos der deutſchen Sänger entſchieden. Es werden die Turner aus dem Großherzogthum Heſſen, aus Frankfurt und Naſſau, aus der bair. Rhein⸗ pfalz, Rheinpreußen ſüdlich der Moſel, aus dem preuß. Kreiſe Wetzlar, aus der Provinz Hanau und Marburg ſich hier verſammeln; es werden die Sänger des deutſchen Sängerbundes aus Dillenburg, Herborn, Marburg, Nauheim, Uſingen, Wetzlar und ver⸗ ſchiedenen Städten unſrer Provinz bei uns einziehen. Ungefähr 150 deutſche Turn⸗ und Geſangvereine, mit einer Mitgliederzahl von 1415000 Männern, werden ihre Vertreter zu uns ſenden.

Unſer hieſiger Turn⸗ und Geſangverein haben die Aufgabe, welche der Stadt Gießen von ihren auswärtigen Genoſſen zuge⸗ dacht worden iſt, im Vertrauen auf die thätige Mitwirkung der ganzen Einwohnerſchaft Gießens, angenommen, und der unter⸗ zeichnete Feſt⸗Aueſchuß iſt zuſammen getreten, um die wirkſamſte Unterſtützung den Vereinen angedeihen zu laſſen. Hierzu erbitten wir uns den Beiſtand der Bewohner Gießens.

Das Feſt wird am erſten Tage Concert und Preisturnen bringen, am zweiten Tage findet Schauturnen ſtatt, am dritten Tage für unſre Jugend das Jugendfeſt. An jedem Tage werden die Feſtlichkeiten mit einem Feſtzuge begonnen, und wird mit geſelliger Zuſammenkunft in den Feſthallen der Turner und Sänger geſchloſſen.

Die nothwendigen Vorbereitungen zu dieſem Feſte, beſtehend in Errichtung von Feſthalle und Turnplatz, erfordern, wenn gleich in beſcheidenem, aber würdigen Style ausgeführt, Geldmittel, welche die ordentlichen Einnahmen des Feſtes weitaus überſteigen. Die auswärtigen Gäſte, welche in einer Zahl von drei Tauſend möglicherweiſe erſcheinen, bedürfen eines Quartiers in hieſiger Stadt.

In beiderlei Beziehung wenden wir uns an den bewährten gaſtlichen Sinn unſrer Mitbewohner, und bitten um freiwillige Beiträge zu den Feſtkoſten, ſowie um Quartiere für unſre Gäſte. Möge ein Jeder mit freudigem Herzen nach ſeiner Kraft beitragen, zur Ermöglichung und Verherrlichung eines Feſtes, welches echt deutſch iſt, und der Provinzialhaupt⸗ und Univerſitäts⸗ ſtadt Gießen würdig ausfallen ſoll.

Unſere Commiſſionen werden demnächſt ihre Thätigkeit beginnen und wollen wir nur noch darauf aufmerkſam machen, daß Turner und Sänger mit beſcheidenem Lager, nöthigenfalls ſogar ſelbſt mit einem Strohlager, ſich begnügen werden, und daß nur Frühſtück beanſprucht wird. Auf dieſe Weiſe wird es einem Jeden, ſelbſt bei kleineren Raumverhältniſſen, möglich werden, mehrere Gäſte aufzunehmen.

Gießen, am 19. Mai 1862.

Der Feſt⸗Ausſchuß:

Baiſt, Hofg.⸗Advocat. Barth, Hofg.⸗Advocat. Dr. Buchner, Reallehrer. Curſchmann, Lehrer. H. Ferber, Beigeordneter. Frank, stud. Frohnhäuſer, stud. F. Gail, Fabrikant. v. Gehren, Mechaniker. Haber⸗ korn, Univ.⸗Richter. Hanſtein, Fabrikant. Heinrich, Goldarbeiter. Hoch, Weißbinder. Hofmann, Muſik⸗ director. H. Homberger, Fabrikant. Horn, stud. Dr. Jhering, Geh. Juſtizrath. Kauf, Bierbrauer. Keller, Gemeinderath. Dr. Knop, Profeſſor. Koch, Finanz⸗Candidat. Dr. Kraft, Hofg.⸗Rath. Krug, Ger.⸗Acceſſiſt. Küchler, Fabrikant. Sal. Landauer, Kaufmann. v. Lepel, Hofg.⸗Rath. Leo, Uhrmacher. G. Lotz, Bier⸗ brauer. Magewirth, stud. Dr. Muhl, Hofg.⸗Advocat. Nagel, Gemeinderath. Noll, Kaufmann. Petri, Gemeinderath. A. Petri, Weißbinder. L. Petri II., Weißbinder. J. Ch. Retter, Scribent. Ricker, Gemeinde⸗ rath. Roſenthal, Hofg.⸗Advocat. Rübſamen, Turnlehrer. Schlatter, Buchbinder. Schwabe, Cantor. Schwan, Schreiner. Dr. Soldan, Profeſſor. Strack, Hoftapezier. Straub, Bauaufſeher. Vogt, Bürger⸗ meiſter. Walter, Schmied. Weber, Hofg.⸗Director. Dr. Weber, Hofg.⸗Advocat. Weber, stud. E. Wenzel, Lithograph. Werle, stud. F. Windecker, Kaufmann. Wiſſel, Bauacceſſiſt.

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