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Aufforderung.
Den Armenverein zu Gießen betreffend
Der ſeit 1850 dahier beſtehende Armenverein bezweckt lediglich die Abſtellung des Bettelns in hieſiger Stadt. Der Fonds wird durch freiwillige Jahresbeiträge hieſiger Einwohner gebildet, welche vierteljährlich von dem Polizeiperſonal gehoben werden. Die aus dem Verein verabreichten Unterſtützungen erſtrecken ſich:
1. auf hülfsbedürftige Angehörige des Kreiſes Gießen excl. der Stadt, denen von ihren Heimaths⸗ gemeinden ausreichende ÜUnterſtützung nicht gewährt werden kann und 2. auf mittelloſe Fremde, durchziehende Handwerksburſchen und Arbeiter.
Der Verein wirkt ſehr wohlthätig und es iſt durch ſeine Wirkſamkeit und insbeſondere auch durch die Thätigkeit des Polizeiperſonals die Zahl der Bettler nur noch auf eine geringe beſchränkt. Wie ſehr aber die Einwohnerſchaft beläſtigt werden würde, wenn den Tauſenden von Handwerksburſchen, welche das Jahr über die Stadt durchziehen und den vielen bettelarmen Angebörigen des Kreiſes keine Unterſtützung aus unſerem Vereine gereicht würde, läßt ſich leicht ermeſſen
Die Anforderungen an den Verein ſind geſtiegen, während ſich die Einnahmen durch Austritt, Sterbefall oder Wegzug ec. vieler Mitglieder in den letzten Jahren vermindert haben. Wir richten deshalb an alle Mit⸗ glieder die Bitte, dem Verein auch ferner treu zu bleiben; an diejenigen Einwohner dagegen, welche noch nicht dem Verein angehören und in der Lage ſind, für ihre nothleidenden Mitmenſchen etwas thun zu können, richten wir die dringende Bitte, durch ihren Beitritt die uns zu Gebote ſtehenden Mittel vermehren zu wollen.
Wir werden uns erlauben, in den nächſten Tagen durch die hieſigen Polizeiofficianten Liſten in Cireulation zu ſetzen, in welche diejenigen Einwohner, welche dem Armenvereine beizutreten geneigt ſind, den Betrag gütigſt einzuſchreiben belieben, welchen ſie jährlich zu dem angeführten wohlthätigen Zwecke beitragen wollen.— Gießen, am 4. April 1873.
Der Vorſtand:
v. Röder. Haberkorn. G. Landmann. KA. Be Roſenberg I. Dr. gevi. Vogt.
Brüuhl ſche Univ.-Druckerel Fr. Chr. Jictſch) in Gießen.


