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Zusammenstellung von Vorschlägen zur Umgestaltung der Giessener Fortbildungsschule / von Rektor Fischer
Entstehung
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3.

II. Jahresunvterr 1i ht

Es bedarf keiner ausführlichen Daxlegungen, um zu beweisen, dass die Fortbildungsschule bei einern UWterricht in dem seitherigen Umfang den vorsteéhend umschriebenen Aufgaben ment gerecht werden kamn. Seither hatten wir Unterricht nur in Ninter von Mitte Cktober bis Mitte Marz, etwa 20 Vochen mit 5 Wochensbunden, Doer weitaus grössere Teil des Jehres blieb vom Fort bil dungsschulun- terricht frei.

Die Mängel dieser linrichtung sind ohne Noiteres erkennbar, die unterrichtlichen wie dic erzieherischen. Lin Im tor- richt kann nicht nach einer Pause von 7 Monaten den Paden weiterspinmmen, wo er vor so langer Zeit 11 egen geblieben ist.'s muss in jedem Fache mit Wiederholungen begonnen rden, dauit Wul Stens eini germassen eine genügende Grundl age für ge meinsame Arboit und ge- meinsames Fortschreiten geschaffen wi rd. Aber diese notwendi ge Wiederholung entspricht nicht dem, was die jungen Leute erwarten und was sie brauchen: neuen, an 2z 1 enenden 8tO f 1 Solange wir also nur den dinterunte rricht haben, wird die Fortbi1- dungsschule such bei dem besten Nillen doer Lehrer nie ganz frei gemacht werden können von dem Barmme der VWiederlkolungsschule, und wird somit in ihrem inne ren Gehalt den Bedürfnissen der SChüler nicht genügèn können.

Versucht man aber, um diesem MWissstand zu begegnen, sofort unmittelbar in den neuen Stoff hinoinzugehen, so i8t ohne Zzweifel ein T011 der Schüler vorhanden, der sein Gdenüge finden kann, der grössere Teil aber findet keinen Anschluss, bosonders diejenigen die in der leerlaufenden Zeit nicht schon von Borufswegen geistig gearbeitet heben(Kaufleute, Schreiber), und unter diesen finden sich

Schüler genug, die wochenl ang keine Zeile geschrieben und ke in Buch gelêsen haben. So trägt auch bei diesem Ausvueg der Halb]j ahrs- unterricht den Charakter des Behelfsmässi gen und kam ernsthaf- den Ansprichen nicht gencwen.

Bedenklicher 18 noch die Unzul anglichkeit der Beschränkung des Unterrichts auf die Vintermonate in éer z 1 e n- 1 1cher Hingsicht. Unsere Schüler haben bei dem sei thori gen Unterricht kaum noch das Gefühl, dass sie mit 14 Jehren ihrer Schulpflicht er st Zum T0 1 1. genügt haben, und dass ein wesentlicher Teil ihrer Schulbildung mit dor unmittelbaron Bin- stellung auf das Leben mit seinen Bedürfnissen noch vor ihnen 11egt Sie müssen bei dem Healbjahrunterricht ganz von selbst dazu kommen, in der für einige Wochen aufgestellten Schulpflicht eine mehr oder weni ger unbe quome Einri chtung zu sehen, die ihnen die in Langen Monaten genossene Freiheit beeinträchtigt. Daraus entspringt boi sinem nicht kleinen Teil der Sohiler ein Verhältnis zur ScClule, dast von vornhe re in nur als sehr ungünstig in unterrichtlicher und disziplinärer Hinsicht bezeichnet werden karm. Dass der Sctrulbesuch in die Tätigkeit in Beruf, in Werksteatt und Fabrik hineinwi rkt, dort Voerzicht auf Arbeitsstunden und Verdienstmögli chkeit zur Polge haben kann, wird als unerwunscht ange schen, biswellen sogar ausgesprochen(nicht nur von den Schülerni). s kamm somit nicht erstaunen, wemm bei Begänn des Winterhalbjahrs immer einige Zeit vergeht, bis die jungen Leute nur einmal usserlich wieder an Geist und Zucht der Schule gewöhnt sind. Von einer tiefergehenden dauernden erziehlichen Einwirkung auf unse re jungen Leute wi rd deshalb im Al1gemeinen nicht allzuviel erwartéet werden dürfen.