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Festbeilage des Gießener Anzeigers zur Hundertjahrfeier des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zu Gießen : 7. - 9. Juni 1913
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[von Schönberg 1813— 18315 Il v. Bouchenröder 1815— 1832

von Marquard 1832— 1841 von Wachter 1841— 1849

Fur hundertjährigen Jubelfeier des Infanterie⸗Regiments „Kaiſer Wilhelm“(2. Großherzoglich Heſſiſches) Nr. 116

von Hauptmann Stephan.*)

n kurzer Zeit feiert das Infanterie⸗Regiment Kaiſer Wilhelm(2. Großherzoglich heſſiſches) Nr. 116 das Feſt ſeines hundertjährigen Beſtehens. Die ruhmvolle Vergangenheit eines Truppenteils, auf die jeder Angehörige mit Stolz zurückblickt, und mit Eifer darüber wacht, daß die alten Ueberlieferungen heilig gehalten und durch keinen Makel befleckt werden, mit einem Wort ſeine Ge⸗ ſchichte, wird von der wichtigſten Vorſchrift für die In⸗ fanterie, dem Exerzier⸗Reglement, als einer der Faktoren benannt, der das Regiment für die Durchführung ſeiner Aufgabe im Ernſtfall ganz beſonders geeignet macht. Hat das Regiment demnach allen Grund, einen ſolchen Zeit⸗ abſchnitt ſeiner Geſchichte feſtlich zu begehen, ſo werden die Bewohner nicht allein unſerer Stadt, ſondern der ganzen Provinz Oberheſſen an dieſem Jubeltag des Regiments warmen Unteil nehmen, da ſie eng mit dem Regiment ver⸗ wachſen ſind. Es ſoll daher unſere Aufgabe ſein, unſere Leſer mit der Geſchichte unſeres Regiments vertraut zu machen, das während ſeines Beſtehens halb Europa, von der Loire und Rhone bis zur Bereſina und vom driatiſchen Meere bis zur Nord⸗ und Oſtſee, mehrfach durch⸗ meſſen hat.

Der Sründungstag des Regiments iſt der 17. Juni 1813. An dieſem Tage wurde es aus dem Garde⸗Süſilier⸗Bataillon und dem 1. Leib⸗SFüſilier⸗Bataillon, deſſen Geſchichte bis zum Jahre 1741 zurückreicht, zuſammengeſtellt.

Der Reuordnung und Vermehrung der heſſiſchen Trup⸗ pen durch Landgraf Ludwig X., den ſpäteren Großherzog Ludwig IJ., verdankt das heutige

I. Bataillon

ſeine Entſtehung. Uus Mannſchaften des in Gießen garni⸗ ſonierenden Kreis⸗Regiments wurde am 15. September 1790 ein leichtes Infanterie⸗Bataillon zu 4 Kompagnien formiert und an ſeine Spitze Oberſt v. Wrede geſtellt, nach welchem— wie damals üblich— das Bataillon benannt wurde. Es behielt Gießen als Garniſon bei. Gießen war damals Feſtung. Die Mannſchaften lagen in Bürgerquartieren, das 1585 erbaute Seughaus diente zur AKufbewahrung von Kriegsgerät, die heutige Gendarmeriekaſerne war Haupt⸗ wache, Klarmplatz der„Brand“(jetzt Landgraf⸗Philipp⸗

*) Rach der Geſchichte des Inf.⸗Rgts. Kaiſer Wilhelm Nr. 116 von Gen.⸗Ct. Klingelhöffer und nach mündlichen Ueberlieferungen.

Was Du ererbt von Deinen Vätern haſt, Erwirb es, um es zu beſitzen.

Platz), der 1560 durch eine große Feuersbrunſt ent⸗ ſtanden war.

Die Uniform beſtand aus hellgrünen, vorn offenen Röcken mit umgeklappten, rot gefütterten Schößen, ſchwarzen Kragen, weißen Weſten, weißtuchenen Beinkleidern, dunkeln bis zum Rnie reichenden Gamaſchen und Lederſchuhen, hut mit hochgeklappten Dorder⸗ und hinterteil. Torniſter, Brot⸗ beutel und Patrontaſche wurde an kreuzweiſe über die Bruſt laufenden weißen Riemen getragen. Die Bewaffnung be⸗ ſtand aus teils glatten Steinſchloßgewehren, teils aus ge⸗ zogenen Büchſen, aus langem Bajonett und Säbel. Die Haare wurden in Locken gerollt, ſteif gepudert und endeten in einem langen Sopf. Die Dienſtzeit betrug 10 Jahre, die Strafen waren ſtreng und beſtanden ſeit 1792 meiſt in Gaſſen⸗ oder Spießrutenlaufen.

Bereits 2 Jahre nach ſeiner Entſtehung fand das Ba⸗ taillon im Seldzug am Main und Rhein(1792—1793) gegen die Franzoſen ſeine erſte kriegeriſche Derwendung. Inſonderheit nahm es vom 5. Mai bis 22. Juli an der Belagerung von Mainz teil und wurde für ſein tapferes Verhalten bei der Zurückwerfung eines in der Nacht vom 9./10. Juni verſuchten Ausfalls vom König von Preußen rühmend erwähnt.

Die hinrichtung des franzöſiſchen Königs Ludwig XVI. veranlaßte faſt alle europäiſchen Staaten, ſich zum Krieg gegen Frankreich zu verbinden. So ſetzte ſich auch eine heſ⸗ ſiſche Brigade unter General v. Düring— zu ihr gehörte auch unſer Bataillon— am 24. 10. 1793 in Marſch über Ems, Coblenz, Hachen, Brüſſel und ſtieß am 21. 11. 1793 bei Tournay zu der unter Befehl des Generals v. Vork ſtehenden Armee der Verbündeten. Während des ſtrengen Winters 1793/94 nahm die Brigade auf dem linken Flügel dieſer Armee eine Vorpoſtenſtellung ein und wies mehrere Angriffe der Franzoſen tatkräftig zurück. Im weiteren Verlauf des Feldzuges nahm das Bataillon an folgenden Gefechten ehrenvollen nteil: AIm 5. 5. 94 bei Harlebeche, am 10. und 11. 5. 94 bei Courtray, am 18. 5. 94 an der Schlacht bei Tourcoing, am 10. und 11. 6. 94 bei Rooſebecke und hHooglede, am 13. 6. 94 bei Bevern(in dieſem Gefecht erbeutete das Bataillon 3 feindliche Kanonen).

Nach einem Hufenthalt von 8 Tagen in einem Lager bei Gent wurde die Armee der Verbündeten durch die Fran⸗ zoſen an Hntwerpen vorbei bis hinter die Dommel zurück⸗