Das närriſche Miniſterium hat angeordnet, daß fol⸗ gende Veranſtaltungen ſtattfinden werden:
Feſtevorſtellungen in allen Höfen, Gärten bei feſtlich erleuchtetem Hauſe(Räte, die Mk. 2.— und we⸗ niger oder nichts zum Zug geſtiftet, haben hier Ehren⸗ platz zu fordern), ferner iſt in allen Wein⸗ und, Bier⸗ hallen unſerer Reſidenz, mit und ohne elektriſche Be⸗ leuchtung großer Tatendrang, obwohl ſo mancher Wirt nichts für den Zug gezeichnet hat, trotzdem doch gerade er die größten und erſten Vorteile durch Uns hat.
Rekruteneinzug der am Haupttage wie aus der Büchſe herausgeſchoſſen daſtehenden Prinzengarde.
Fackelzug ſämtlicher Vereine als da ſind: Hipp⸗, Kletter⸗, Fecht⸗, Schwimm⸗, Sing⸗, Kriſcher⸗, Trink⸗ und faule Schwätzer⸗Vereine.
Maskenkränzchen, Schiffstaufe auf der Lahn, ſodann Wachtparade, Reveille, Feſt⸗es Eſſen und Trinken, Loslaſſen des„Zuges der Zeit“ mit Kai⸗ ſerwetter, Bonbonhagel und Blumenregen auf die Zug⸗ teilnehmer.
Jedermann— natürlich auch jede Frau und Mäg— delein— hat ſich mit ausgezeichnet guter Laune und
dem nötigen Kleingeld zu verſehen, weshalb auch ſämt⸗ liche Kaſſen, Steuerbureaus und Wirtſchaften geöffnet bleiben— zum Wechſeln des großen Geldes.
Das Leihhaus iſt angewieſen, jedem, der in den Faſtnachtstagen eine alte Hoſe(Bure) oder einen alten Unterrock bringt, den vollen Wert zur bezahlen, außerdem er ſich aus den vorhandenen Lagerbeſtänden eine beſ⸗ ſere Kluft für obengenannte Tage ausſuchen darf.
Die Einbalſamierung böſer Schwiegermütter, M..dhelden und all derjenigen Leute, die nichts zum Zuge gegeben haben, beginnt Faſtnachts⸗ Samstag abends 11 Uhr und 11 Min., damit ihre Augen keinen Schaden erleiden würden, wenn ſie ſich doch gnädigſt herbeilaſſen werden, den Zug umſonſt anzuſehen.
Den Wirten, Bäckern und Metzgern die groß⸗ m... ig ſagten, ach für einen Karnevalzug geben wir nichts, aber doch die erſten ſind, die ihre dicken Bäuchelchen noch mehr herausſtrecken, zufolge des durch den Zug ihnen beſonders gewordenen großen Verdienſtes, wünſchen wir gutes Bekommen und noch größere Freude an der ihnen— ohne ihr Verſchulden — gewordenen Beute.
Als melkende Kuh iſt der Karneval 1912 von — Gott ſei Dank— nur ganz, ganz wenigen Geſchäfts⸗ leuten behandelt worden, doch die es taten, werden wir im Herzen behalten und verordnen, daß denſelben von der Beſengarde der Präſentiermarſch Morgens, Mittags und Abends geblaſen wird.
Orden⸗ und Diplom⸗Ausgabe für Leute, die im Gegenſatz zu fröhlichen Türken und Heſſen ſich als beleidigte Pflanze gleich fühlten, obwohl ihnen nur die Wahrheit geſagt, erfolgt am 30. Februar d. Js.
So geſchehen im Jahre der Narretei 1912, wo auch bittre Wahrheit geſagt werden mußte, doch Unſerem Motto:„Allen wohl, Niemand weh'’, beſonderer Aus⸗ druck verliehen ſei.


